Abstillen beim Kleinkind: So haben wir es nachts geschafft
Shownotes
In dieser Folge wird es sehr persönlich: Ich erzähle dir von meinem Abstillprozess – was bei uns funktioniert hat, was schwierig war und was ich im Nachhinein anders einordne.
Du bekommst einen ehrlichen Einblick in unsere Ausgangslage, meine Recherche und Planung und dann in die konkreten Schritte: vom Einschlafstillen ersetzen bis zum kompletten Abstillen (auch nachts).
Ich spreche außerdem darüber, wie sich das Abstillen körperlich, mental und hormonell angefühlt hat, woran ich gemerkt habe, ob mein Kind „wütend“ ist oder wirklich überfordert – und warum für mich kleinschrittig, bindungsorientiert und mit Alternativen der stimmigste Weg war.
Weiter unten findest du noch hilfreiche Links.
KAPITEL: 00:00:00 Intro 00:00:18 Begrüßung 00:01:22 Vor dem Abstillen: Stillalltag & Ambivalenz 00:05:49 Recherche & Planung 00:18:19 Abstillen Schritt 1: Einschlafstillen ersetzen 00:23:08 Abstillen Schritt 2: Komplett abstillen 00:26:52 Wut oder Not? Überforderung & Grenzen 00:27:32 Wie es mir ging: Körperlich, mental, hormonell 00:33:41 Nach dem Abstillen: So ist es jetzt 00:37:25 Was nehmen wir aus dieser Folge mit? 00:39:50 Outro
Links und Quellen:
- Langzeitstillen:
- https://www.still-lexikon.de/was-ist-langzeitstillen-und-wie-haeufig-kommt-es-vor-forschungsdaten/
- https://www.still-lexikon.de/was-steckt-hinter-langzeitstillen-die-beweggruende-der-muetter/
- https://www.stillkinder.de/haeufige-fragen-zum-langzeitstillen/
- https://www.stillkinder.de/haeufige-fragen-zum-langzeitstillen-teil-2/
- WHO-Empfehlung zur Stilldauer und Vorteile:
- S3-Leitlinie Stilldauer und Vorteile:
- Vorteile des Stillens
- https://www.still-lexikon.de/vorteile-des-laengeren-stillens-eine-argumentationshilfe/
- https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/muttermilch-als-superfood-fuer-die-immunabwehr
- https://www.stillen-institut.com/de/muttermilch-bekaempft-gezielt-schaedliche-bakterien.html
- https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-052011/kuschelhormon-oxytocin/
- https://www.still-lexikon.de/stillen-als-wirksame-schmerzlinderung-bei-impfungen-und-blutentnahmen/
- https://www.still-lexikon.de/einschlafen-an-der-brust/
- https://www.stillkinder.de/stillen-foerdert-babyschlaf/
- Abstillen
- https://www.still-lexikon.de/der-abstillprozess/
- https://www.still-lexikon.de/abstillen-wie-kann-ich-mein-kind-achtsam-begleiten/
- https://www.stillkinder.de/8-tipps-fuer-liebevolles-abstillen-nach-dem-1-lebensjahr/
- https://www.still-lexikon.de/nachts-abstillen/ (Vorsicht, nicht geeignet für jüngere Kinder und klappt nicht bei allen)
Hier findest du mehr von ‚Just Melly – Einfach Eltern sein‘:
- https://www.youtube.com/@JustMelly-Eltern
- Und überall wo es Podcasts gibt.
Transkript anzeigen
00:00:00: Willkommen bei Just Melly - Einfach Eltern sein. Ich bin Melly, Stiefmama und Mama und möchte
00:00:04: Kinder respektvoll, liebevoll und ehrlich auf Augenhöhe begleiten – ohne mich dabei
00:00:08: zu verlieren. Elternsein bedeutet für mich, ein stimmiges Maß zu finden – mit einer reflektierten
00:00:13: Haltung statt nur Methoden und der Bereitschaft, gemeinsam mit unseren Kindern zu wachsen.
00:00:19: Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von
00:00:21: Just Melly – Einfach Eltern sein. Danke, dass du wieder dabei bist.
00:00:24: In der heutigen Folge wird es sehr persönlich, denn ich erzähle dir von meinem Abstillprozess.
00:00:29: Das war für mich nichts, was man einmal entscheidet und dann ist es nach ein paar
00:00:33: Tagen „abgehakt“, sondern ein Prozess: mit viel Überlegen, mit Recherche, mit
00:00:37: Planen – und dann natürlich mit dem echten Leben dazwischen, das sich nicht immer an Pläne hält.
00:00:43: Ich nehme dich heute einmal mit durch die wichtigsten Stationen, wie unser
00:00:46: Stillalltag vor dem Abstillen aussah, warum ich überhaupt angefangen habe, darüber nachzudenken,
00:00:51: was ich in der Recherche gefunden habe und was eben auch nicht und wie ich dann Schritt
00:00:55: für Schritt vorgegangen bin. Und ich teile auch ehrlich, wie sich das angefühlt hat, körperlich,
00:01:00: emotional, hormonell und wie es jetzt nach dem Abstillen für uns ist. Ganz wichtig,
00:01:05: das hier ist eine Erfahrungsfolge und ich erzähle, was bei uns funktioniert hat,
00:01:09: was schwierig war und was ich im Nachhinein anders einordne. Wenn dich einzelne Punkte
00:01:14: aus der Recherche interessieren, ich habe die Links zum Nachlesen und Weiterlesen
00:01:17: gesammelt. Du findest sie in den Show Notes oder in der Beschreibung der Folge.
00:01:22: Damit du verstehst, warum Abstillen bei uns überhaupt so ein großes Thema war,
00:01:25: nehme ich dich kurz mit in unseren Stillalltag – also wie es vor dem Abstillen bei uns aussah.
00:01:30: Meine Planung und Hoffnung war, dass mein Kind sich allein abstillt,
00:01:32: vorzugsweise spätestens mit dreieinhalb Jahren.
00:01:35: Ansonsten wollte ich in dem Alter dann noch mal neu evaluieren,
00:01:37: wie ich mit der Situation umgehe und dazu stehe.
00:01:40: Ich weiß, dass das für Deutschland vergleichsweise
00:01:42: lang ist und ich damit zu den Langzeitstillenden zähle.
00:01:46: Für mich stand aber schon in der Schwangerschaft fest,
00:01:48: so wie bei ca. 90 % der Frauen, dass ich unbedingt stillen möchte.
00:01:51: In dem Säuglingspflegekurs, den ich besucht habe, wollten sogar alle nach der Geburt stillen.
00:01:56: Unser Stillstart war dann aber wirklich richtig schwierig und ich musste wirklich
00:01:59: sehr dafür kämpfen. Aber das ist eine eigene Geschichte und würde jetzt den Rahmen sprengen.
00:02:05: Und gerade deshalb wollte ich dann auch nicht so schnell wieder aufgeben.
00:02:10: Die WHO empfiehlt ja auch mindestens zwei Jahre Stillen und betont,
00:02:13: dass fortgesetztes Stillen im zweiten Lebensjahr und darüber hinaus zu gesundem Wachstum beiträgt,
00:02:18: weiter Energie, hochwertige Proteine, essentielle Fettsäuren, Vitamine und
00:02:21: immunaktive Substanzen liefert und das Risiko für Durchfall und Atemwegsinfekte senken kann.
00:02:28: Und auch die neue deutsche S3‑Leitlinie „Stilldauer und Interventionen zur
00:02:31: Stillförderung“ empfiehlt eine Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten. Sie fasst zusammen,
00:02:36: dass Stillen – auch länger – unter anderem mit geringerem Risiko für Magen‑Darm‑Infekte,
00:02:41: Mittelohrentzündung, Übergewicht/Adipositas, Typ‑2‑Diabetes und plötzlichem Kindstod beim
00:02:46: Kind sowie geringerem Risiko für Brustkrebs, Eierstockkrebs und
00:02:51: Typ‑2‑Diabetes bei der Mutter verbunden ist. Die Schutzwirkung nimmt mit der Stilldauer zu.
00:02:58: Bei der Eingewöhnung in der Kinderkrippe hatte ich auch das Gefühl, dass mein Kind weniger
00:03:01: krank war. Und außerdem fand ich aber auch während mein Kind krank war die unterstützende
00:03:05: Wirkung des Stillens immer sehr nützlich. Ich musste mir auch keine Sorgen machen,
00:03:10: ob es in der Zeit genug Flüssigkeit und Nahrung zu sich nimmt, weil Kinder, die krank sind,
00:03:14: die stillen, vermehrt. Auch bei kleineren Verletzungen fand ich Muttermilch hilfreich.
00:03:20: Und schon die Hebamme empfiehlt ja die Muttermilch bei wunden Brustwarzen.
00:03:24: Und die beruhigende und regulierende Wirkung nach dem stressigen Kindergartentag war auch
00:03:28: sehr praktisch. Generell fand ich die beruhigende und tröstende Wirkung von Stillen einfach so schön
00:03:34: schnell und effizient. Und nicht nur ich, auch für mein Kind war es die bevorzugte erste Wahl.
00:03:39: Übrigens wollte es nie den Schnuller. Und auch Daumenlutschen oder andere Finger oder
00:03:42: ähnliche Ersatzhandlungen gab es nur, wenn Stillen absolut nicht verfügbar war – also so gut wie nie.
00:03:48: Nachts hatten wir eine super Einschlafroutine mit Stillen entwickelt, die ich auch nur ungern
00:03:52: aufgeben wollte, weil es wirklich schön schnell klappte, auch bei nächtlichem Aufwachen. Nachts
00:03:56: Stillen war nur kurz umdrehen und weiterschlafen – also wirklich auch nichts. Ein Traum.
00:04:03: Diese Vorteile wollte ich unbedingt während dem Übergang in den Kindergarten noch mal haben und
00:04:07: deshalb abwarten, bis mein Kind sich wirklich gut eingelebt hat und wieder Routine eingekehrt ist.
00:04:12: Na ja, und zudem ist Muttermilch einfach immer und überall schnell verfügbar. Man kann sie
00:04:16: nicht vergessen, muss nicht auf Hygiene achten, nichts vorbereiten oder putzen.
00:04:22: Gleichzeitig war Stillen natürlich nicht immer nur toll und ich stand
00:04:25: ihm schon auch ambivalent gegenüber. Ich habe mich wirklich schwer getan mit der
00:04:28: Fremdbestimmtheit, sowohl über meinen Körper als auch zeitlich.
00:04:32: Mein Podcast hören wurde schließlich dann auch abgelöst durch Vorlesen. Stillen in der Trage hat
00:04:37: von den Größenverhältnissen irgendwann auch nicht mehr funktioniert. Und in der Öffentlichkeit hatte
00:04:41: ich deshalb schon vor einer Weile aufgehört mit Stillen, weil ich mich damit nicht mehr
00:04:44: wohlgefühlt habe. In der Trage hat es fast niemand mitbekommen, aber ohne Trage war es nervig.
00:04:50: Vor allem, weil Kleinkinder ja echt kein Gefühl für Privatsphäre haben und Mama dabei so gut
00:04:54: wie möglich bedeckt bleiben will. Da ist der gesellschaftliche Druck von außen auch bei
00:04:59: mir angekommen. So ab einem Jahr fingen dann auch die Kommentare und Blicke an:
00:05:03: „Wie, du stillst immer noch?“ Und dann kommen noch die Alltagshindernisse dazu.
00:05:08: Spätestens ab Beikoststart ist es ja dann Essen und Stillen,
00:05:11: und manchmal hat es sich so angefühlt, als machen wir nichts anderes.
00:05:14: Hinzu kam für mich, dass Stillen gerade zu Beginn, aber dann auch gegen Ende eher unangenehm war.
00:05:19: Vor allem zum Schluss habe ich mich auch oft sehr overtouched und unruhig gefühlt.
00:05:23: Zwischendrin habe ich aber auch die beruhigende Wirkung gespürt
00:05:26: und ich muss sagen, ich war oft auch dankbar,
00:05:27: dass ich dank dem Stillen mich einfach mal ruhig aufs Sofa setzen und ausruhen konnte.
00:05:32: Tja, und dann kam der Tag, an dem ich doch abstillen musste,
00:05:35: weil es nicht anders ging – und das auch noch innerhalb eines knappen Zeitfensters.
00:05:41: Also habe ich angefangen, mich damit auseinanderzusetzen:
00:05:44: Was heißt es konkret und wie können wir das gut und möglichst stimmig angehen?
00:05:50: Im Großen und Ganzen hat sich das Stillen und auch so lang also für
00:05:53: mich stimmig angefühlt und gegen Ende hat es sich in Teilen auch schon reduziert.
00:05:58: Einerseits, weil ich es beispielsweise in der Öffentlichkeit eingeschränkt
00:06:00: hatte – solche Absprachen sind ab einem bestimmten Alter durchaus möglich.
00:06:05: Andererseits, weil mein Kind auch schon begonnen hatte,
00:06:07: zu bestimmten Zeiten oder Anlässen weniger oder gar nicht zu stillen.
00:06:10: Mit zunehmendem Alter nimmt ja die eigene Regulationsfähigkeit auch
00:06:13: zu und auch andere Bedürfnisse kann das Kind von
00:06:15: sich aus selbst erfüllen oder hat Alternativen zum Stillen gefunden.
00:06:19: Und ich habe es außer bei Krankheit daher auch nicht mehr aktiv angeboten,
00:06:23: sondern es ging nur noch vom Kind aus.
00:06:25: Der Beikoststart ist da ein gutes Beispiel, bei dem Stillen für die
00:06:28: Nahrungs‑ und Flüssigkeitsaufnahme nach und nach entbehrlich wird.
00:06:31: Und wenn ich nicht da war, hatte mein Kind ja auch Strategien,
00:06:34: ohne Stillen auszukommen in den jeweiligen Situationen.
00:06:37: Deshalb war ich zuversichtlich, dass spätestens im
00:06:39: Kindergarten sich das Stillen nach und nach weiter reduzieren wird.
00:06:42: Und falls mir einzelne Stillmahlzeiten doch zu unangenehm werden, lässt sich
00:06:45: das Setting anpassen oder – wie beim Stillen in der Öffentlichkeit – drüber verhandeln.
00:06:50: Und wenn es mir doch generell zu lange dauert, dann hätte man auch da schauen können dann.
00:06:55: Aber das wollte ich dann, wie gesagt, mit dreieinhalb Jahren noch mal schauen:
00:06:57: wie unsere Stillbeziehung bis dahin aussieht und wie ich dazu stehe,
00:07:00: aber auch mein Kind – und dann auf dieser Basis neu entscheiden.
00:07:04: Vielleicht hätte ich dann abgestillt.
00:07:06: Wie schon erwähnt, hatte ich ja schon eine gewisse Unruhe in mir,
00:07:09: was oft so ein erstes Anzeichen für einen nahenden Abstillwunsch seitens der Mutter sein kann.
00:07:14: Gleichzeitig kommt es natürlich immer darauf an, wie im Vergleich
00:07:17: zu den Unannehmlichkeiten die Vorteile des Stillens immer noch wahrgenommen werden.
00:07:21: Wenn die Unannehmlichkeiten überwiegen und
00:07:23: damit der Leidensdruck, dann läutet das meist das Ende der Stillbeziehung ein.
00:07:26: Deshalb ist es ja so wichtig, vor allem zu Beginn
00:07:28: des Stillens, dass die Mutter genügend Unterstützung und Fürsprache bekommt.
00:07:32: Vielleicht hätte ich es aber auch noch weiterlaufen lassen.
00:07:35: Die Vorteile waren eben doch wirklich sehr praktisch.
00:07:38: Oder vielleicht hätte mein Kind sich auch bis dahin doch selbst abgestillt.
00:07:41: Tja, leider werde ich das aber nie erfahren.
00:07:44: Und ja, ich trauere diesem Umstand schon etwas
00:07:47: hinterher und ehrlich gesagt auch immer noch einigen Vorteilen des Stillens.
00:07:51: Aber aus gesundheitlichen Gründen war es nötig.
00:07:54: Und ja, ich hatte vorher alle Möglichkeiten recherchiert und auch eine Stillberaterin
00:07:58: hinzugezogen, vor allem, weil ich auch sanft und bindungsorientiert abstillen wollte,
00:08:03: nun aber gleichzeitig da doch einen ziemlich engen zeitlichen Rahmen hatte.
00:08:08: Abstillen ist ja schon ein großer Schritt im Leben
00:08:11: eines Kindes – genauso wie die Eingewöhnung im Kindergarten.
00:08:14: Deshalb sollte beides natürlich nicht gleichzeitig stattfinden.
00:08:18: Also musste ich vorher abgestillt haben, wodurch es zeitlich sehr knapp wurde.
00:08:22: Ich war da ehrlich gesagt innerlich ziemlich angespannt und konnte mich
00:08:24: auch nicht so ganz von meinen Sorgen und Befürchtungen rund ums Abstillen lösen.
00:08:28: Bei mir waren da zum Beispiel richtig viele Unsicherheiten und Sorgen im Kopf: Ob mein
00:08:31: Kind schon genug Fähigkeiten und Alternativen hat, um ohne Stillen gut zurechtzukommen.
00:08:36: Ob Einschlafen und Schlaf insgesamt deutlich schlechter werden. Und ob
00:08:40: wir dann mit Schlafmangel genau in eine Phase rutschen, in der sowieso schon viel
00:08:43: Regulation gefragt ist – weil bei uns ja auch der Übergang Richtung Kindergarten anstand.
00:08:49: Ich habe mir auch Sorgen gemacht, dass es ein Kreislauf aus Müdigkeit,
00:08:52: Überforderung und dann noch schwierigeren Nächten wird. Dass Abstillen zusätzliche
00:08:56: Unsicherheit bringt, obwohl ein großer Übergang sowieso schon verunsichert.
00:09:01: Und ja, auch, dass mein Kind vielleicht öfter krank wird und dass Stillen ihm noch
00:09:05: sehr wichtig ist – und es deshalb zu langem, heftigem Protest kommt,
00:09:10: den ich irgendwann nicht mehr gut halten kann.
00:09:12: Und ich habe mich gefragt: Habe ich wirklich genug Alternativen? Wird meinem Kind etwas fehlen?
00:09:18: Diese ganzen neuen Abläufe finden und Alternativen fand ich schon beim Drandenken in der Planung
00:09:22: nervig. Und sie haben sich sogar als noch nerviger erwiesen als gedacht, weil es natürlich
00:09:27: immer anders kommt, als man denkt, und ich natürlich auch nicht alles auf dem Schirm hatte.
00:09:31: Zudem kam ja kurz darauf der Übergang von Kinderkrippe zu Kindergarten,
00:09:34: was ja auch wieder eine Herausforderung ist für alle.
00:09:38: Deshalb habe ich erst mal recherchiert, aber irgendwie hat mir das nicht gereicht.
00:09:41: Viel zum Abstillen war auch eher für jüngere Kinder als meins gedacht.
00:09:44: In dem Alter wird das nicht mehr so einfach akzeptiert,
00:09:46: wenn man schon so lange daran gewöhnt war, und es wird auch lautstark protestiert.
00:09:50: Kinder hängen oft sehr an ihren Gewohnheiten.
00:09:53: Und wenn Abstillen nicht vom Kind ausgeht, sondern von außen kommt,
00:09:56: ist – wie bei anderen fremdbestimmten, nicht vom Kind ausgehenden Dingen auch – oft mit Protest
00:10:01: zu rechnen, teilweise auch heftig. Das kennen wir alle, diese berühmten, tollen Wutanfälle.
00:10:08: Und ganz wichtig finde ich dann, dass dem Kind nicht nur etwas weggenommen wird,
00:10:11: sondern dass es etwas bekommt, was wirklich hilft: Nähe, Co‑Regulation, Trost, vielleicht
00:10:16: ein neues Ritual – also konkrete Alternativen für genau das, wofür Stillen bei euch bisher da war.
00:10:23: Sonst kann das Kind damit schnell überfordert sein.
00:10:25: An der Stelle habe ich auch gemerkt, wie wichtig mir die Abgrenzung zu allem ist,
00:10:29: was sich nach „Training“ oder Schlaftraining anfühlt. Im Netz findet man nämlich auch Tipps
00:10:33: wie: Kind allein lassen, lange schreien lassen oder die Brust bewusst „verleiden“.
00:10:39: Aber bindungsorientierte Fachquellen betonen eben: Nur weil sich Verhalten durch Training ändern
00:10:43: kann, heißt das nicht automatisch, dass es dem Kind innerlich besser geht. Für mich war deshalb
00:10:47: klar: Wenn wir etwas verändern, dann nur mit Co‑Regulation, Nähe und verlässlicher Begleitung.
00:10:54: Ein sehr bekannter Ansatz zum Thema nachts Abstillen ist die Gordon‑Methode.
00:10:58: Dafür wählt man ein festes Zeitfenster, zum Beispiel 23 bis 6 Uhr. Und in diesem Zeitfenster
00:11:04: stillt man dann auch nach und nach nicht mehr. Das Kind begleitet man aber trotzdem weiter,
00:11:09: also mit viel Nähe, Körperkontakt und Beruhigung, statt es alleine zu lassen.
00:11:14: Gordon betont aber extra, dass seine Methode nicht für kleinere Babys geeignet ist,
00:11:18: sondern erst für Kinder ab einem Jahr.
00:11:22: Für manche Familien kann das super passen.
00:11:24: Für mich war aber vor allem diese zeitliche Komponente mit der Uhr nicht so stimmig. Und
00:11:28: ich glaube, manche Kinder kommen damit auch gar nicht gut zurecht.
00:11:31: Und „10 Nächte“ finde ich ehrlich gesagt auch ziemlich schnell – ich fand es für uns besser,
00:11:36: langsamer und kleinschrittiger vorzugehen.
00:11:40: Gleichzeitig fand ich den Vorbereitungsteil daran gut: ein paar Tage vorher tagsüber viel Nähe,
00:11:45: klare Rituale, Erklären – und das habe ich dann auch gemacht.
00:11:52: ---
00:11:53: Und manche Kinder schaffen es eben noch nicht und geraten in echte Not,
00:11:56: weil sie noch keinen Ersatz haben oder den Ersatz noch nicht akzeptieren können.
00:12:00: Ihr kennt euer Kind am besten und merkt, ob es jetzt nur wütend ist,
00:12:03: weil eine geliebte Gewohnheit wegfällt. Was auch sehr anstrengend, lang und heftig sein kann.
00:12:08: Oder ob euer Kind gerade wirklich überfordert ist mit der Situation und in Not.
00:12:13: Gerade wenn es länger nicht klappt oder auch ihr es nicht länger aushaltet,
00:12:17: dann vielleicht doch abbrechen und es später nochmal versuchen – oder anders.
00:12:21: Ihr müsst wirklich hinter der Entscheidung stehen – auch damit ihr klar seid und standhaft und
00:12:26: gleichzeitig zugewandt. Sonst könnt ihr nicht die notwendige Sicherheit und Notwendigkeit
00:12:30: vermitteln oder geratet selbst in Not, die sich dann wiederum auf das Kind überträgt.
00:12:35: Und einen Monat später sieht es vielleicht schon anders aus. Mein Kind hatte,
00:12:39: wie gesagt, schon viele Strategien und es war wirklich nötig – und ich
00:12:41: hatte mir durch die Planung Sicherheit verschafft.
00:12:44: Ich bin bei der Planung auch über Vorschläge gestolpert,
00:12:46: bei denen die Mama ein paar Tage „verschwindet“ und der andere Elternteil alles übernimmt. Für
00:12:51: manche Familien kann das passen, aber für mich hat es sich einfach nicht stimmig angefühlt.
00:12:57: Ich wollte das Ende unserer Stillbeziehung nicht
00:13:00: outsourcen, sondern mit meinem Kind gemeinsam aushandeln und begleiten.
00:13:04: Und gerade weil das für mein Kind so ein großer Schritt war, wollte ich als Bindungsperson Nummer
00:13:07: 1 auch da sein. Als Ersatz fürs Stillen braucht es ja etwas wirklich Wirksames.
00:13:13: Gleichzeitig: Je nach Kind kann ein Personenwechsel es
00:13:17: auch erleichtern – das ist wirklich individuell.
00:13:21: Übrigens ist das auch eine Überlegung wert. Vielleicht muss gar nicht ganz abgestillt werden,
00:13:25: sondern nur ein Aspekt geändert werden oder nur zeitweise reduziert werden.
00:13:30: Bei mir war z.B. ein großer Leidensfaktor, dass aus dem anfänglichen sanften Tasten
00:13:34: mit kleinen Babyhändchen irgendwann eher ein grobes Rumfummeln und Kneifen
00:13:38: an der Brust wurde. Das hat mich auch ziemlich gestresst und auch weh getan.
00:13:42: Und da ich nicht abstillen wollte, musste es sich ändern. Ich musste also beginnen,
00:13:46: da immer wieder freundlich, aber klar Grenzen zu setzen. Stillen ja, aber ohne die Hände.
00:13:52: Hilfreich war dann eine Alternative anzubieten,
00:13:55: also meinen Arm, den Ärmel, die Decke oder das Kuscheltier zum Rumknubbeln.
00:14:00: Es hat eine Weile gedauert und ja, es gab auch Protest und Wut,
00:14:04: aber als es dann funktioniert hat, war das so viel besser. Und in Bezug auf
00:14:08: das Abstillen auch schon ein erster Schritt in die Richtung. Weil sonst
00:14:11: hätte die Beruhigungsstrategie ja auch noch ersetzt werden müssen.
00:14:15: Zuerst habe ich also erstmal geschaut, was das Stillen eigentlich für mich und das Kind bedeutet.
00:14:19: Welche Bedürfnisse erfüllt es? Und wie können die ersetzt werden?
00:14:23: Sind hier vielleicht schon Strategien und Alternativen vorhanden?
00:14:27: Wo hat mein Kind vielleicht schon begonnen, den Weg ein Stück weit zu beschreiten - und ich
00:14:30: könnte es an die Hand nehmen und wir gehen den Weg gemeinsam, was das Ganze natürlich beschleunigt.
00:14:35: Wie schwierig könnte es werden mit all den Sorgen und Unsicherheiten im Hinterkopf,
00:14:39: die ich ja oben schon beschrieben habe.
00:14:42: Gleichzeitig wusste ich auch schon von früheren Herausforderungen,
00:14:44: dass unsere Kinder stärker sind, als wir oft denken und uns oft überraschen,
00:14:48: wie gut sie mit Dingen dann doch zurecht kommen. Kinder sind ja auch selbst kompetente Menschen,
00:14:53: die auch selbst für sich nach Lösung suchen und diese auch finden.
00:14:57: Mir hat dabei geholfen, das ganz konkret zu machen. Was kann mein Kind an Regulation schon
00:15:02: und welche Alternativen funktionieren bei uns grundsätzlich? Zum Beispiel Tragen, Kuscheln,
00:15:07: Geschichten erzählen, Kindergartenrituale.
00:15:10: Wenn diese Alternativen noch gar nicht da sind oder vom Kind (noch)
00:15:13: nicht angenommen werden können, dann kann so ein Schritt das Kind auch überfordern.
00:15:18: Damit es nicht so abstrakt ist, hier ein paar Beispiele.
00:15:22: z. B. Spielplatz statt Stillen: Am Anfang musste bei uns direkt nach dem Abholen vom Kindergarten
00:15:27: erstmal gestillt werden – zum Runterkommen und zur Regulation. Und dann hat sich das im Sommer
00:15:32: verschoben: Nach dem Kindi war Spielen auf dem Spielplatz viel interessanter als zu Hause zu
00:15:37: stillen. Und dadurch ist das Nachmittagsstillen nach dem Kindergarten dann einfach weggefallen.
00:15:43: Und an dem Punkt konnte ich dann jetzt anknüpfen: Spielen übertrumpft manchmal das Stillen.
00:15:51: Oder Zeit mit Mama: Stillen war (auch) „Zeit mit mir“. Und weil ich zum Stillen eher ja sage
00:15:57: als zu Spielen, hatte das nochmal eine andere Dringlichkeit. Und da habe ich klargemacht:
00:16:01: Vorlesen/Spielen geht auch ohne Stillen.
00:16:05: Und Stillen in der Öffentlichkeit hatten wir ja schon. Durch ein klares „Nein“ habe ich gemerkt:
00:16:09: Wenn ich klar bin und mein Kind dann aber tröste,
00:16:11: klappt das. Ablenkung hilft da auch – plus: Ausnahmen, wenn es wirklich dringend war.
00:16:19: Und dann gab's ja auch noch Strategien aus dem Kindergarten. Da musste mein
00:16:23: Kind ja auch ohne Stillen beruhigt werden oder einschlafen. Der Austausch mit den
00:16:27: Erzieherinnen hat mir da wirklich sehr geholfen.
00:16:29: Insgesamt habe ich mir also einen Plan gemacht, welche Stillzeiten ich wie ersetzen könnte. Es
00:16:34: gab die Möglichkeit, Stillmahlzeiten durch Ablenkung einfach unter den Tisch fallen
00:16:38: zu lassen. Oder einfach etwas nach hinten zu verschieben, gegebenenfalls auch schrittweise.
00:16:43: Und durch das Aufschieben unbemerkt zu streichen. Oder die Stillmahlzeiten schrittweise zu kürzen,
00:16:48: bis sie vielleicht auch nicht mehr so relevant oder interessant wurden.
00:16:51: Wie gesagt, dabei aber gleichzeitig immer mit Blick auf die Bedürfnisse
00:16:54: dahinter und einem entsprechenden Angebot von Alternativen. Obwohl in dem Alter das
00:17:00: Kind auch aktiv mit nach Lösung sucht und diese anbietet. Was wirklich so super hilfreich war.
00:17:06: Naja, und da Konflikte nun mal auch immer dazu gehören, war mir aber auch bewusst,
00:17:11: dass ich die eine oder andere Mahlzeit auch gegen den Widerstand und Protest
00:17:13: werde streichen müssen. Und dann eben auch viel Trost und Alternative anbieten.
00:17:19: Und schließlich habe ich dann auch noch eine Stillberaterin hinzugezogen, als es dann klar war,
00:17:24: dass es wirklich auf endgültiges Abstillen hinausläuft. Und das kann ich nur empfehlen.
00:17:29: Achtet aber auf eine Stillberaterin mit Kompetenz für bindungsorientiertes Abstillen. Sie kann
00:17:34: super beraten und euch die nötige Klarheit und Sicherheit geben. Und vielleicht gibt es ja Mittel
00:17:39: und Wege, dass ihr gar nicht gleich komplett abstillen müsst. Aber ihr möchtet das natürlich.
00:17:43: Beruhigend fand ich, dass es unabhängig vom Alter des Kindes vor allem auf den Willen
00:17:47: der Mutter zum Abstillen ankommt. Sie muss nicht klar sein, was sie möchte und dass sie
00:17:51: die Stillbeziehung beenden möchte. Sie muss also wirklich davon überzeugt sein. Und ansonsten ist
00:17:57: der konkrete Ablauf wirklich individuell sehr unterschiedlich. Es kommt sehr auf die Mutter,
00:18:02: das Kind und die äußeren Umstände an. Weil wir da einfach alle unterschiedlich sind. Die
00:18:07: Stillberaterin kann einem da aber auch wirklich gute Tipps geben und mit einem herausarbeiten,
00:18:11: welcher Weg sich für einen am stimmigsten anfühlt. Weil der ist dann meist der Richtige.
00:18:18: Und ab da war für mich auch klar: Ich muss loslegen. Nicht,
00:18:21: weil ich „so dringend“ komplett abstillen wollte,
00:18:23: sondern weil ich das Einschlafstillen als ersten Schritt wählen musste. Und weil der Zeitdruck
00:18:27: überhaupt erst diesen Startpunkt gesetzt hat. Ich habe mir dann noch ungefähr eine Woche gegeben,
00:18:32: um mich zu sortieren und einen Plan zu machen. Naja, und dann ging’s los.
00:18:36: Aufgrund all der Überlegung habe ich mir einen Zeitplan gemacht. Ein wenig war der Rahmen ja
00:18:40: schon gesteckt, weil ich vor der Eingewöhnung in den Kindergarten fertig sein wollte. Und
00:18:43: zu Beginn wollte ich eigentlich gar nicht komplett abstillen, sondern habe versucht
00:18:46: nur eine Stillmahlzeit zu ersetzen. Da war die drängendste das Einschlafstillen. Gleichzeitig
00:18:52: ist das natürlich auch oft das liebste Stillen. Und so war es auch bei uns. Und ich sage euch,
00:18:58: es war wirklich hart. Obwohl das Kind wirklich gut mitgemacht hat.
00:19:03: Was bei uns geholfen hat. Ich habe vorher noch mal bewusst viel gestillt,
00:19:06: quasi den Tank aufgeladen und auch direkt vom Zähneputzen gab es nochmal Stillen. Aber
00:19:11: da habe ich dann schon angekündigt: Das ist jetzt das letzte Stillen für heute,
00:19:15: danach ist Pause. Ich habe nun meinem Kinder also erklärt, dass nach dem Zähneputzen die
00:19:20: Zähne eine Pause brauchen, damit sie gesund bleiben. Und auch meine Brust langsam müde
00:19:24: ist und eine Pause braucht. Weil wir ja schon so lange stillen. Also das mit dem
00:19:28: Zähneputzen war ein schlechtes Argument. Und wir haben uns damit unser schönes Zähneputzen
00:19:33: mit tollen Spielen und Singen ruiniert. Es hat nichts mehr geklappt. Es wurde versucht
00:19:38: die Stillpause möglichst rauszuzögern. Zum Glück ließ sich das dann aber später wieder reparieren.
00:19:47: Und später, als ich dann wusste, dass endgültig abgestillt wird, wurde daraus:
00:19:51: “Du hast jetzt so lange gestillt und langsam wird sie leer. Du bist ja auch schon bald groß.”
00:19:57: Da kam mir entgegen, dass mein Kind ja bald in den Kindergarten darf und dann zu den Großen
00:20:01: gehört und das selbst dann immer wieder betont hat. Mein Mann hat dann also die Zähne geputzt
00:20:08: und ich habe zum Schlafpulli gewechselt, der mit Kragen war und echt nicht zum Stillen geeignet.
00:20:13: Nach einer gewissen Zeit habe ich dann nachts wieder zum Stillpulli gewechselt. Nur hatte
00:20:17: ich nicht damit gerechnet, dass mein Kind dann einfach verlangt, dass ich halt den Pulli wechseln
00:20:21: soll. Weil dann geht Stillen ja wieder. Also war dann Strategie- und Erklärungsanpassung nötig.
00:20:31: Übrigens habe ich es während der Abstillzeit wirklich generell so gemacht, dass ich immer
00:20:34: sehr hochgeschlossene Pullis getragen habe, um es dem Kind leichter zu machen. Schaut auch,
00:20:38: dass ihr immer bekleidet seid. So eine äußere Hilfe wie das Wechseln des Pullis ist sehr
00:20:43: hilfreich. Möglich wäre aber auch gewesen, nicht mehr im Schlafzimmer zu stillen,
00:20:47: also die räumliche Trennung statt visuell und/oder zeitlich. Aber das hat bei uns nicht gepasst,
00:20:52: weil ich ja nicht auch noch das Nacht- und das Aufwachstillen streichen wollte gleichzeitig.
00:20:57: Und ich hatte auch keine Lust jetzt mich und das Kind dafür zu wecken und den Raum zu wechseln.
00:21:03: Also die ersten Nächte waren dann bei uns wirklich heftig und es hat lange gedauert
00:21:07: mit dem Weinen und Toben. Hier auch gleich der Hinweis: Wenn es nach paar Tagen nicht klappt,
00:21:12: dann solltet ihr noch mal die Strategie überdenken. Aber da hilft die Stillberaterin
00:21:16: auch super weiter. Bei uns ging es dann aber mit jedem Tag besser. Und ich habe wirklich sehr viel
00:21:21: geredet und erklärt und auch getröstet. Bin immer wieder auf die Gefühle eingegangen,
00:21:25: die ja berechtigt sind. Obwohl während dem Toben und Schreien auch einfach nur
00:21:29: dabei sitzen und die Möglichkeit zum Kuscheln oft das Beste war.
00:21:33: Na ja, und nach drei Tagen wurde dann nicht mehr geweint und nur
00:21:36: noch gefragt. Eigentlich schon nach zwei Tagen. Und wenn Stillen gefordert wurde,
00:21:41: habe ich dann halt immer wieder ruhig Wasser angeboten, das dann auch genommen wurde.
00:21:47: Und dann habe ich noch zur Beruhigung Alternativen angeboten. Tragen wurde gern angenommen,
00:21:53: hat aber auch ewig gedauert. Wir mussten immer 1-2 Stunden im Kreis laufen und “Das
00:21:57: Wandern ist des Müllers Lust” singen. Vorlesen hat am wenigsten geklappt. Aber Geschichten
00:22:05: auswendig nacherzählen waren neben dem Tragen am effektivsten und hat sich bis jetzt gehalten.
00:22:11: Wobei es hier aktivierende und einschläfernde Geschichten bei uns gibt, habe ich festgestellt.
00:22:16: Frische Luft war jetzt Ausgleich auch recht praktisch fürs bessere Einschlafen
00:22:21: und wir sind zu Beginn, wenn es ganz schlimm war,
00:22:22: auch mal kurz raus, um den Kreislauf zu durchbrechen, wenn es gekippt ist.
00:22:28: Und viele Angebote und Vorschläge kamen,
00:22:30: wie gesagt, aber auch vom Kind und es war aber wirklich eine harte Zeit - für alle.
00:22:36: Insgesamt hat dieses erste Streichen nur vom Einschlafstillen ca. einen Monat gedauert,
00:22:41: bevor wir die nächste Mahlzeit angegangen sind – und das haben wir tatsächlich auch gebraucht.
00:22:46: Allerdings lag das auch mit daran, weil ich ja ursprünglich auch gar nicht mehr geplant hatte.
00:22:51: Leider hat sich dann nach einem Monat aber rausgestellt, dass das leider nicht reicht.
00:22:56: Der Schlafmangel hatte auch wirklich Auswirkung auf den restlichen Alltag. Es war also wirklich
00:23:01: hart. Aber auch das ging rum und irgendwann ging es dann auch wieder bergauf. So wie immer.
00:23:09: Also wie gesagt, nach ungefähr einem Monat war dann klar, dass nur das Einschlafstillen zu
00:23:14: ersetzen leider nicht reicht – und damit waren wir dann beim nächsten Schritt: komplett abstillen.
00:23:20: Insgesamt hat das dann bei uns nochmal ca. 5 Wochen gedauert. Und ich bin
00:23:24: da wirklich kleinschrittig vorgegangen und habe es immer wieder an Tagesform,
00:23:28: Kita und Autonomiephase angepasst.
00:23:32: Also was meine ich jetzt mit schrittweise vorgegangen. Also: Mal habe ich eine Stillmahlzeit
00:23:37: gestrichen, mal habe ich reduziert, bis sie ganz leicht wegzureduzieren war – aber immer
00:23:43: mit Pause dazwischen. Gerade der Mix war aber mit kürzeren Pausen möglich, als nur zu streichen.
00:23:50: Bei der Wahl der Mahlzeiten war es unterschiedlich. Mal war es eine,
00:23:53: die ich als nächstes am nervigsten fand,
00:23:54: mal war es eine, die als nächster Schritt am einfachsten war oder sich sogar anbot.
00:24:00: Gefühlt war das so ein Hin und Her und immer wieder abwägen. Und immer
00:24:04: nach Bauchgefühl und durch Beobachten, was als nächstes am stimmigsten sein
00:24:07: könnte – auch hinsichtlich, was dann die letzte Mahlzeit wird.
00:24:11: Womit ich nicht gerechnet hatte: Nicht nur das Kind muss umdenken – unser ganzer Ablauf
00:24:15: war durcheinander. Mit jeder weggefallenen Stillmahlzeit wurde wieder alles neu sortiert.
00:24:22: Zu Beginn habe ich die Zeit zwischen Zähneputzen und dem Nachtstillen kurz
00:24:26: gehalten und dann nach und nach rausgezögert. Und irgendwann waren wir dann fast beim
00:24:30: Aufwachstillen und hatten dadurch das Nachtstillen fast gestrichen. Vorerst.
00:24:38: Und insgesamt war es dann damit deutlich leichter – aber es war nicht so, dass das Bedürfnis damit
00:24:42: komplett „weg“ war. Bei uns war eher son Muster: Sobald ich tagsüber etwas weiter reduziert oder
00:24:48: gestrichen habe, hat sich das Bedürfnis erstmal wieder mehr in die Nacht verlagert. Also nicht
00:24:53: als Rückschritt im Sinne von „wieder von vorn“, sondern eher als eine Verschiebung:
00:24:57: tagsüber weniger – und nachts kommt es nochmal stärker. Und mit jeder anderen Stillmahlzeit,
00:25:05: die ich dann angegangen bin, ist das Nachtstillen zurückgekehrt. Allerdings habe ich dann nur gegen
00:25:10: „morgens“ akzeptiert. Also so ab 3–4 Uhr, wenn schon so 7–8 Stunden Stillpause mindestens war.
00:25:21: Das wirkliche Rausschieben des Nachtstillens kam bei uns dadurch relativ spät. Manchmal
00:25:26: reicht kurz rauszögern, Alternativen bieten und das Kind schläft aber dann doch wieder ein.
00:25:31: Und irgendwann waren wir dann bei der Uhrzeit vom Aufwachstillen. Und das
00:25:36: Aufwachstillen ist dann gegen Ende irgendwie von selbst weggefallen.
00:25:40: Und das Morgenstillen vor dem Kindi war dann das letzte,
00:25:43: das wegfiel – und an dem Tag passte es sogar eine Woche früher.
00:25:48: Das letzte Stillen sollte bei mir vor dem Wochenende sein: damit Puffer da ist,
00:25:52: und das Wochenende extra ruhig und aufs Kind ausgerichtet geplant ist.
00:25:57: Und die letzte Mahlzeit haben wir dann wirklich zelebriert,
00:26:00: also noch mal das Lieblingsbuch gelesen. Ich habe ihn wirklich gefeiert und am
00:26:06: Ende gab's dann sogar noch zur Feier des Tages was Süßes. Und ich habe ihm
00:26:11: auch richtig viel Zeit gelassen noch mal, aber auch mit ihm drüber geredet noch mal.
00:26:20: Und wie gesagt, am Abstilltag hat es dann einfach von den Rahmenbedingungen
00:26:23: her super gepasst per Zufall. Mein Kind hat dann sogar voll entspannt Tschüss gesagt,
00:26:32: wo ich gesagt habe: „Wir verabschieden uns jetzt.“
00:26:34: Ich meine: Es kommt dann trotzdem noch mal im Nachhinein, also es
00:26:38: wird noch mal danach gefragt – und es kam auch noch mal Traurigkeit und so.
00:26:42: Und das ist ja auch völlig okay. Aber insgesamt war es dann ein gutes Ende.
00:26:52: Und ich habe ja mein Kind in dieser Phase auch sehr genau beobachtet und gerade zu Beginn:
00:26:58: Es war wütend, ja. Aber ich habe auch gemerkt: Es kann grundsätzlich
00:27:03: Alternativen annehmen – und hat teilweise sogar selbst angefangen, Vorschläge zu machen.
00:27:09: Gerade am Anfang vom Einschlafstillen hat’s wie gesagt trotzdem kurz heftig gewirkt und
00:27:15: ich war dann schon unsicher. Aber mir hat geholfen, dass die Stillberaterin gesagt hat:
00:27:19: Erst mal beobachten, wie es sich entwickelt. Und ihr merkt ja, ob euer Kind resigniert oder
00:27:25: ob es sich – bei allem Protest – wieder beruhigen kann und das Neue Schritt für Schritt akzeptiert.
00:27:32: Die ersten unangenehmen Symptome des Abstillens fingen dann schon an,
00:27:36: als es nur noch zwei Mahlzeiten waren. Davor hatte ich wie beim Stillstart wieder das Problem,
00:27:41: dass die Brüste wirklich sehr hart und gespannt waren, aber es war aushaltbar. Ich muss aber
00:27:46: auch sagen, dass es gegen Ende dann etwas schneller ging als geplant und die letzte
00:27:50: Stillmahlzeit kam dann sogar eine Woche früher als erwartet. Und ich glaube auch,
00:27:53: wenn das Kind soweit war, mein Körper hätte noch etwas mehr Zeit gebraucht.
00:27:58: Nicht erwartet hatte ich, dass ich mich so wahnsinnig erschöpft fühlen würde,
00:28:02: schon fast wie bei einer Grippe oder so. Und ich war sooo unkonzentriert. Das war echt übel.
00:28:09: Gleichzeitig war es schon unangenehm und ich habe dadurch auch schlechter geschlafen. Und
00:28:15: na ja, das Kind war ja auch erstmal unruhiger teilweise. Und nicht jede Nacht war angenehm.
00:28:24: Es wurde schon noch gefragt und auch mal geweint- Aber halt nicht mehr so
00:28:28: heftig und das Weinen war wirklich nicht so oft.
00:28:32: Und es wurde viel getragen. Und wie gesagt: unsere bis jetzt beste
00:28:39: Strategie – Geschichten zum Einschlafen erzählt. Auswendig, weil das Licht stört,
00:28:44: was mir ehrlich gesagt aber sehr entgegenkam und immer noch kommt.
00:28:48: Nach der letzten Stillmahlzeit wurde es dann richtig schlimm. Ich hatte also morgens das
00:28:53: letzte Mal gestillt und einen Tag später am Abend ging es dann los. Ich fühlte mich wie
00:28:57: bei einer wirklich, wirklich schlimmen Grippe und ich hatte wirklich Schmerzen.
00:29:03: Wieso sagen einem übrigens die Leute erst immer alle dann, was so passieren kann?
00:29:08: Außer in der Schwangerschaft. Da bekommt man ständig Katastrophenerzählungen,
00:29:11: die einem echt Angst machen können. Aber danach auf einmal ist alles super und toll.
00:29:17: Außer man ist schon in der Situation. Es wäre schön gewesen, das vorher zu wissen.
00:29:21: Wir hatten wirklich nichts zu Hause. Da sind wir echt am Sonntag erst mal in die
00:29:25: Notfallapotheke und später bin ich dann am nächsten Tag auch noch zum Arzt. Und das
00:29:31: Ibuprofen hat's dann auch wenigstens erträglicher gemacht und das wirkt ja auch entzündungshemmend.
00:29:40: Die kalten Quarkwickel haben auch im weiteren Verlauf äh sehr gut getan. Also, das kann ich nur
00:29:45: empfehlen. Ich habe dafür einfach Quark dünn auf ein Mulltuch gestrichen, das zugeklappt, weil das
00:29:52: darf nicht direkt auf die Haut kommen, und dann einfach in den BH gestopft. Wobei ich aber drauf
00:29:57: geachtet habe, dass nichts durchkleckert, z.B. mit gegebenenfalls einem weiteren Mulltuch drüber.
00:30:05: Was auch hilfreich war, war der BH als Stütze, aber gleichzeitig auch nicht zu eng.
00:30:10: Das hat auch geholfen. Obwohl ich teilweise auch den BH nicht ertragen
00:30:14: habe. Das ist beides möglich und das war aber auch schon beim Stillstart bei mir so.
00:30:21: Naja, und da die Quarkwickel zu oft die Haut auch wieder reizen können, habe ich
00:30:25: dann ansonsten so alle ein bis zwei Stunden noch für 10 Minuten Kompressen aus dem Kühlschrank im
00:30:30: Mulltuch in den BH gestopft. Und das ging dann eigentlich auch gut mit Kind und Bewegung.
00:30:38: Also insgesamt gab's sehr viel Kühlung,
00:30:42: wobei man es natürlich auch hier nicht äh zu sehr übertreiben darf.
00:30:47: Und natürlich Ausstreichen. Aber da gerade so, dass der Druck nachlässt. Die Milchbildung
00:30:53: soll ja nicht wieder angekurbelt werden, wenn wir sie gerade eigentlich reduzieren wollen.
00:30:57: Anfangs war ich mir da auch ziemlich unsicher wegen der Menge. Aber dann habe ich es so gemacht,
00:31:02: dass es gut tat, auch wenn es sich wirklich nach viel angefühlt hat
00:31:05: zwischendurch und es nicht nur ein paar Tropfen waren. Das hat aber
00:31:09: wirklich Erleichterung gebracht, als ich da durch den Leidensdruck dann mutiger wurde.
00:31:14: Ähm, so nach einer Woche wurde es dann etwas besser - und dann war auf einmal
00:31:18: genauso plötzlich weg, wie es begonnen hatte. Ich hatte zwar dann noch so eine Weile leichte
00:31:23: Spannung und ab und zu mal auch wie so ein Pieksen. Aber ansonsten waren die Schmerzen
00:31:28: und die Spannung weg. Die Brüste wirkten dann aber auch wirklich ziemlich leer.
00:31:35: Äh was mich noch eine Weile begleitet hat, waren die Hormonschwankung,
00:31:38: bis ich alles wieder eingestellt hat. Keine Ahnung, ob das speziell nur mir so geht,
00:31:43: weil ich was Hormone angeht, da echt immer so bisschen empfindlich bin.
00:31:48: Aber ich habe mich gefühlt wie Dauer PMS. Aber auch das geht wieder vorüber.
00:31:54: Und ein toller Nebeneffekt, den ich vorher auch nicht wusste,
00:31:57: meine Schilddrüsenmedikation ist jetzt niedriger als vor der Schwangerschaft,
00:32:01: weil sich das nämlich neu einpendelt. Und bei mir war es eben zum besseren.
00:32:08: Unpraktisch war in der schmerzhaften Zeit, dass das Kind genau zu der Zeit
00:32:11: mehr Nähe und Tragen gebraucht hätte. Da ist dann wieder gut, wenn es eine weitere Bindungsperson
00:32:16: gibt, bei der das Kind sich genauso wohl fühlt und die das Tragen übernehmen kann. Und dann
00:32:21: eher Kuscheln oder Alternativen. Obwohl es aber oft auch wirklich nicht anders ging. Weil das
00:32:27: Problem war ja, dass das Kind als Alternative zu Stillen mit Mama dann wenigstens Tragen
00:32:31: mit Mama wollte - und eben nicht mit Papa. Auch wenn die Bindung dann noch so gut ist.
00:32:41: Und ich war in der Zeit auch in der Apotheke und da hat man mir dann auch gesagt, dass ich mir,
00:32:45: wenn es ganz ganz schlimm wird, auch beim Arzt die Abstillpille - fachlich korrekt
00:32:51: heißt die Prolaktinhemmer - verschreiben lassen kann. Ich habe die dann aber nicht
00:32:55: genommen, weil meine Ärztin mich darauf hingewiesen hat, dass die Nebenwirkung
00:32:58: schon sehr heftig sein können. Na ja, und letztendlich ging es dann auch ohne.
00:33:08: Noch etwas langsamer abstillen und etwas mutiger beim Ausstreichen sein,
00:33:14: als es so heftig unangehm wurde. Und eben auch ruhig Ibuprofen nehmen.
00:33:20: Mental habe ich mich aber dann schon schwer getan während dem Abstillen. Ich stand voll zu
00:33:25: meiner Entscheidung und habe es auch durchgezogen. Aber gleichzeitig ist es nach dieser langen Zeit
00:33:30: natürlich auch für mich als Mama ein Abschied. Na ja, und die Hormone machen es natürlich auch
00:33:35: nicht besser mit der Emotionalität.Und es musste wirklich viel neu gedacht werden.
00:33:41: Gleichzeitig war es aber echt super, jetzt mehr Zeit zum Spielen zu haben. Und nur noch essen
00:33:45: zu müssen. Und meinen Körper endlich wieder für mich zu haben. Was ich auch super finde,
00:33:53: sind die ganzen Möglichkeiten, die sich jetzt eröffnen. Zum Beispiel beim Kind:
00:33:58: Nachts im eigenen Bett und durchschlafen - auch wenn das bisher nur einmal getestet
00:34:01: wurde und dann noch für doof befunden wurde. Oder meine persönliche Freiheit. Ich bin nicht
00:34:07: mehr so zeitlich und örtlich gebunden wie zuvor und dadurch viel flexibler.
00:34:11: Gleichzeitig finde ich jetzt aber auch die Balance im stressigen Alltag schwieriger. Das Stillen hat
00:34:15: einen doch immer wieder zusammengebracht und auch quasi zum Ausruhen gezwungen. Das fehlt jetzt und
00:34:21: muss schon aktiv beachtet werden, dass da jetzt nichts untergeht. Und ich finde auch die Nähe ist
00:34:28: jetzt schon weniger als vorher. Vorher war es mir zu viel, jetzt finde ich es fast zu wenig.
00:34:35: Bis auf das Tragen, aber vielleicht ändert sich das auch noch. Es war aber auch wirklich viel
00:34:40: Nähe und Stillen. Und da muss man sich auch erstmal umgewöhnen, auch als Mama.
00:34:47: Zu Beginn war das Runterkommen vom Kindergarten ohne Stillen echt schwierig. Und ich habe gemerkt,
00:34:51: das sollte eher tagsüber passieren, nicht nachts. Also Bindungsbedarf, tagsüber auffangen. Kuscheln,
00:34:58: wieder zueinanderfinden, statt, dass ich das dann nachts entlädt.
00:35:05: Inzwischen kommt mein Kind auch besser runter vom Kindergarten, also auch mit weniger Kuscheln. Und
00:35:10: ich habe dabei auch noch mal gemerkt, wie präsent stillen und Essen bei uns vorher war - und dass
00:35:17: Auspowern und Bewegungen dadurch teilweise echt zu kurz kamen. Also irgendwas kam da
00:35:24: immer zu kurz. Das ist jetzt auch nicht mehr so. Wie gesagt, auch mehr Zeit zum Spielen.
00:35:29: Am schwierigsten finde ich es aber immer noch ohne Stillen bei Schmerz.
00:35:33: Vor kurzem ist mein Kind hingefallen und gerade im Mundbereich fand ich
00:35:36: das Stillen immer sehr hilfreich. Weil da auch schlecht anderweitig desinfiziert werden kann.
00:35:41: Und das auch immer so heftig aussieht. Und da hätte ich es dann doch noch mal
00:35:44: gern gehabt. Aber ich muss sagen, es ging jetzt dann aber mittlerweile auch gut ohne.
00:35:53: Die Einschlafsituation hätte ich aber schon auch gerne wie vorher. Und ich finde also nachts
00:36:01: durchschlafen ohne Stillen ist auch nicht anders als mit Stillen. Ich finde sogar, dass die Nächte
00:36:07: gefühlt unruhiger sind als vorher. Und Aufwachen nachts war mit Stillen auch kein Problem.
00:36:16: Also ich fand Stillen und dabei schon wieder wegdösen viel angenehmer als jetzt das Streicheln,
00:36:21: Handhalten. Na ja, und beides ist nicht immer so bequem möglich wie das Stillen
00:36:26: davor. Und wenn es ganz blöd läuft, dann auch trösten, Geschichten erzählen.
00:36:33: Tragen hat sich dann aber wieder reduzieren lassen, als das Schlimmste vorbei war.
00:36:38: Und ich habe festgestellt, dass manche Strategien, die wir damals,
00:36:42: bei der Einschlafbegleitung bisschen mit Stillen gut geklappt hatten - und
00:36:46: auch die durchzuhalten - jetzt wieder nützlich geworden sind.
00:36:50: Ich muss aber sagen, generell vermisse ich schon die zu Beginn genannten Vorteile,
00:36:57: aber gleichzeitig hat's im Nachhinein schon gepasst. Und ich denke, dass es sowieso jetzt
00:37:02: nach und nach zum natürlichen Abstillen gekommen wäre. Und dem trauere ich tatsächlich am meisten
00:37:09: nach, dass die Möglichkeit jetzt weg ist. Aber unterm Strich bleibt für mich, es war richtig,
00:37:17: wie wir es gemacht haben - auch wenn es sich zwischendrin nicht so angefühlt hat.
00:37:26: Und weil die Folge jetzt fast zu Ende ist, möchte ich dir zum Schluss noch mal
00:37:29: die wichtigsten Punkte zusammenfassen, die mir in dieser Zeit geholfen haben.
00:37:33: Für mich war Abstillen nämlich nicht einfach „Milch weglassen“,
00:37:36: sondern ein Übergang: fürs Kind (weil da so viel dran hängt wie Einschlafen,
00:37:39: Nähe, Trost, das hatten wir ja jetzt) – aber auch für mich.
00:37:45: Was nehmen wir also nun aus dieser Folge mit?
00:37:49: Erstmal ehrlich hinschauen: Wofür ist Stillen bei uns gerade da? Und
00:37:53: was müsste an diese Stelle treten, wenn es wegfällt?
00:37:58: Nicht nur etwas streichen, sondern gleichzeitig etwas anbieten, das wirklich trägt: Nähe,
00:38:03: Co‑Regulation, ein neues Ritual, Körperkontakt,
00:38:06: Geschichten, Tragen – je nachdem, wofür Stillen bei euch genutzt wird.
00:38:11: Und: Und es gibt nicht die eine Methode. In meiner Recherche bin ich über sehr
00:38:17: unterschiedliche Wege gestolpert – und am Ende ist es oft eine Mischung aus mehreren Bausteinen.
00:38:22: Welche Bausteine das sein können (als Überblick, ohne dass das „die Lösung“ ist):
00:38:28: Stillmomente verschieben (und dadurch manchmal unbemerkt streichen)
00:38:32: Stillmahlzeiten schrittweise kürzen
00:38:35: einzelne Stillmahlzeiten gezielt ersetzen – je nachdem, was gerade am meisten drückt:
00:38:39: die dringlichste/nervigste für die Mutter,
00:38:41: die leichteste fürs Kind, oder die praktischste fürs Familien‑Timing
00:38:47: klare Stillpausen mit Zeitfenster (wie bei der Gordon‑Methode, wenn das zu euch passt)
00:38:51: räumliche Trennung (z.B. nicht mehr im Schlafzimmer stillen)
00:38:54: „visuelle Hürden“/Barrieren (z.B. hochgeschlossene Kleidung)
00:38:58: bei manchen Familien auch: zeitweise Rollenwechsel/andere Bezugsperson übernimmt mehr
00:39:03: Und zwei Dinge, die ich wirklich zentral finde:
00:39:07: Die Mutter muss überzeugt sein. Nicht im Sinne von „hart werden“,
00:39:10: sondern innerlich klar sein – weil Kinder sofort merken, wenn wir wackeln.
00:39:16: Und: Kleine, stimmige Schritte sind oft wirksamer als ein großer Kraftakt – weil
00:39:19: Kind und Körper (und auch die Hormone) Zeit brauchen, sich umzustellen.
00:39:24: Und wenn ihr merkt, es wird nur noch Kampf: Dann ist das kein „Scheitern“,
00:39:27: sondern ein Signal, dass der Schritt vielleicht zu groß ist, Alternativen fehlen oder gerade
00:39:31: insgesamt zu viel los ist. Dann kann eine Pause helfen – und dass man es einen Monat
00:39:37: später vielleicht nochmal versucht, langsamer vorgeht oder erstmal nur teilweise abstillt.
00:39:44: Und Unterstützung (z.B. Stillberatung) kann da wirklich den Unterschied machen.
00:39:50: Und damit danke ich euch fürs Zuhören. Und denkt daran: Einfach Eltern sein heißt … Grenzen haben
00:39:56: zu dürfen, ohne die Verbindung zu verlieren. Wenn du magst, schreib mir gern,
00:40:01: wie ihr das Abstillen erlebt habt – oder wo du gerade festhängst.
00:40:04: Vielleicht hilft deine Erfahrung auch anderen, die gerade an einem ähnlichen Punkt stehen.
00:40:12: Du möchtest keine Folge mehr verpassen? Dann freue ich mich, wenn du Just Melly
00:40:20: abonnierst und mir einen Daumen hoch gibst. Danke für deine Unterstützung.
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