Einfach Eltern sein – was der Name wirklich bedeutet

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00:00:00: Willkommen bei Just Melly – Einfach Eltern sein.  Ich bin Melly, Stiefmama und Mama und möchte  

00:00:04: Kinder respektvoll, liebevoll und ehrlich auf  Augenhöhe begleiten, ohne mich dabei zu verlieren.  

00:00:09: Eltern sein bedeutet für mich ein stimmiges  Maß zu finden mit einer reflektierten Haltung  

00:00:13: statt nur Methoden und der Bereitschaft,  gemeinsam mit unseren Kindern zu wachsen.

00:00:17: Schön, dass du wieder mit dabei  bist bei Just Melly – Einfach  

00:00:19: Eltern sein. In der letzten  Folge habe ich dir erzählt,  

00:00:22: wie dieser Podcast überhaupt entstanden ist und  was mich als Mama und Stiefmama geprägt hat.  

00:00:27: Falls du die Folge noch nicht gehört hast,  kannst du das natürlich später noch nachholen.

00:00:31: Heute geht’s nämlich um den Namen  selbst. Heute nehme ich dich mit in  

00:00:34: die Geschichte hinter dem Namen Just Melly  – Einfach Eltern sein. Wir schauen uns an,  

00:00:38: warum ich jedes dieser Worte gewählt habe  – vom „Einfach“ über das „Eltern“ bis hin  

00:00:42: zum „Sein“ – und was sie aus meiner Sicht über  modernes Elternsein erzählen. Und wir tauchen  

00:00:47: ein in die Fragen, was heute eigentlich  alles von uns als Eltern erwartet wird,  

00:00:51: wie wir dabei gut bei uns bleiben können und  wie daraus ein Elternsein entstehen kann,  

00:00:55: das sich im Alltag stimmig und machbar anfühlt  – für dich, dein Kind und eure Situation.

00:01:01: Und damit sind wir eigentlich  schon mittendrin in der Frage:  

00:01:04: Warum heißt dieser Podcast eigentlich Just  Melly – Einfach Eltern sein? Nun erstmal  

00:01:08: zum Namen Just Melly. Also fast alle nennen  mich sowieso Melly und wenn mich jemand mit  

00:01:13: meinem vollen Namen anspricht, sage ich dann  immer: „Du kannst einfach Melly sagen“ oder  

00:01:16: „Nenn mich einfach Melly“. Das fühlt sich  einfach viel natürlicher für mich an. Naja,  

00:01:21: und weil ich die englische Sprache sehr mag,  wurde dann aus „Einfach Melly“ „Just Melly“,  

00:01:26: also einfach ich – Melly – die Gedanken teilt  und gemeinsam mit euch lernt und wächst. Und  

00:01:30: wenn ich „Just Melly“ sein darf, dann darfst du  in deinem Elternsein auch einfach du selbst sein,  

00:01:34: mit allem, was dich ausmacht. Und genau da setzt  dann das „Einfach Eltern sein“ für mich an.

00:01:40: Und damit sind wir auch schon beim ersten Wort  in diesem Namen gelandet: beim „Einfach“. Und  

00:01:45: gleichzeitig wissen wir alle, Elternsein  ist eigentlich alles andere als einfach.  

00:01:50: Trotzdem finde ich aber, es muss  auch nicht so schwer bleiben,  

00:01:53: wie wir es uns manchmal machen – durch unsere  eigenen Ansprüche, durch gesellschaftliche  

00:01:56: Erwartungen und durch dieses ständige  Gefühl, überall mithalten zu müssen.

00:02:02: Viele von uns kennen dieses Spannungsfeld: Der  Kopf ist voll mit Arbeit, Mental Load, Terminen,  

00:02:07: To‑dos, vielleicht noch Partnerschaft  und eigenen Bedürfnissen und Themen. Und  

00:02:12: mittendrin sind da unsere Kinder, die uns gerade  jetzt brauchen. Da ist von einfachem Alltag oft  

00:02:17: nicht so viel zu spüren. Und trotzdem ist da  ja dieser Wunsch: Es darf leichter werden,  

00:02:22: zumindest an manchen Stellen. Nicht im  Sinne von „alles ist locker flockig“,  

00:02:27: sondern im Sinne von: Es fühlt sich stimmiger  an, machbarer, weniger überwältigend.

00:02:32: Und damit sind wir bei der Frage:  Wenn Elternsein nicht einfach ist,  

00:02:36: was meine ich denn überhaupt, wenn  ich von „Einfach Eltern sein“ spreche?  

00:02:40: Für mich steckt in diesem „einfach“ zuerst  einmal eine innere Haltung – nämlich nicht  

00:02:45: perfekt vorbereitet sein zu müssen, sondern  ins Tun zu kommen, auszuprobieren und unterwegs  

00:02:50: dazuzulernen. Einfach im Sinne von: Mach’s  einfach, probier es einfach. Nicht alles erst  

00:02:56: in Gedanken bis ins letzte Detail durchzuplanen,  sondern in kleinen Schritten auszuprobieren,  

00:03:01: intuitiv ins Tun zu kommen. Also statt riesige  „Ab morgen wird alles anders“-Projekte zu starten,  

00:03:07: lieber viele kleine ehrliche Minischritte,  die wirklich in euren Alltag passen.

00:03:12: Und das knüpft dann auch sehr an die  erste Folge an, weil da ging es ja darum,  

00:03:16: gut genug statt perfekt zu sein und loszugehen,  statt zu warten, bis alles vorbereitet ist.  

00:03:21: Genau das steckt für mich auch in „Einfach  Eltern sein“ drin: einfach mal anfangen,  

00:03:26: Fehler als Lernweg sehen und nicht  auf den perfekten Moment warten,  

00:03:29: der sowieso nie kommt. „Einfach Eltern sein“  heißt für mich also gut genug statt perfekt,  

00:03:35: Reflexion statt Selbstoptimierungswahn und  authentisch starten und unterwegs nachjustieren.

00:03:41: Du musst nicht erst zehn Bücher gelesen haben,  bevor du mit deinem Kind in Beziehung gehst.  

00:03:45: Du darfst ins Machen kommen und dann  schauen: Was fühlt sich stimmig an? Was  

00:03:49: funktioniert für uns – und was nicht? Und genau  da kommt für mich dieses „einfach“ ins Spiel.

00:03:55: Wir erleben ja gerade eine sehr  verwissenschaftlichte Elternschaft.  

00:03:58: Es gibt so viel Wissen, Studien, Podcasts,  Ratgeber und das ist einerseits toll,  

00:04:04: weil wir vieles besser verstehen können,  und gleichzeitig kann sich Elternsein  

00:04:08: dadurch schnell so anfühlen, als müsstest  du alles perfekt abliefern, alles wissen,  

00:04:12: alles richtig machen, nichts übersehen. Und  für mich heißt „einfach“ hier: Du darfst  

00:04:17: dir aus diesem ganzen Wissen das nehmen, was zu  euch passt, aber du musst nicht alles umsetzen.

00:04:23: Wenn ich also von „leichter“ spreche, meine  ich zum Beispiel solche Dinge wie: nicht jeden  

00:04:28: Anspruch aus Social Media oder aus Ratgebern  eins zu eins auf euren Alltag zu übertragen;  

00:04:33: euch zu trauen, bei manchen Themen den  einfachen Weg zu wählen, statt alles  

00:04:36: dreifach perfekt abzusichern; oder im Alltag zu  schauen, was ist für uns gerade wirklich wichtig  

00:04:43: und was tun wir vielleicht nur, weil man denkt,  dass man es so machen sollte. Auf die Frage,  

00:04:48: was Elternschaft im Alltag leichter machen  kann – also konkret in Richtung Leichtigkeit,  

00:04:53: Erwartungen, Alltag mit Kindern – gehe ich dann  auch in der nächsten Folge, also in Folge 4,  

00:04:57: ausführlicher ein. Da steigen wir dann richtig  in dieses Thema „leichtere Elternschaft“ ein.

00:05:03: Heute kannst du dir erstmal mitnehmen:  „Einfach Eltern sein“ meint nicht,  

00:05:06: dass Elternsein objektiv leicht ist,  sondern dass wir Wege suchen, wie es  

00:05:10: sich für uns stimmiger und machbarer anfühlen  kann – für dich, dein Kind und eure Situation.

00:05:18: Und damit kommen wir zum Wort „Eltern“, also  zu der Frage, was heute eigentlich alles mit  

00:05:22: dieser Rolle verbunden ist und warum  sie sich so oft so viel größer anfühlt  

00:05:26: als „Einfach Eltern sein“. Wenn wir auf  unseren Alltag schauen, merken wir schnell,  

00:05:31: wir sind nie nur Eltern. Wir sind Eltern,  Partner:in, vielleicht auch Bonuseltern. Wir  

00:05:37: sind Kinder unserer eigenen Eltern. Wir sind  Arbeitnehmer:in – und das alles gleichzeitig.

00:05:43: Diese Rollen sind zum Teil von außen  zugeschrieben, durch Erwartungen von  

00:05:46: Familie, Job und Gesellschaft, und zum Teil  übernehmen wir sie aber auch aus unserer  

00:05:51: eigenen Sozialisation und Geschichte – aus dem  Bild, das wir davon haben, wie „gute Eltern“  

00:05:56: oder „gute Partner:innen“ zu sein haben. Und  zwischen all diesen Aufgaben kann es sich dann  

00:06:02: schnell so anfühlen, als würden wir innerlich in  verschiedene Richtungen gezogen. Wir versuchen,  

00:06:06: allem gerecht zu werden – Job, Kindern, Beziehung,  eigenem Anspruch – und gleichzeitig bleibt immer  

00:06:12: irgendetwas auf der Strecke und dann hat man das  Gefühl, nicht genug zu sein, egal was man tut.

00:06:18: Und unsere Gesellschaft macht es uns  dabei aber auch nicht wirklich leichter,  

00:06:22: weil an vielen Stellen immer noch erwartet wird,  dass wir alles gleichzeitig gut hinbekommen. Und  

00:06:27: der Wunsch hin zu „Einfach Eltern sein“ ist für  mich genau das Gegenteil von diesem Zerrissensein:  

00:06:32: mehr Raum für Beziehung und Begleitung,  weniger Dauer‑Multitasking im Kopf.  

00:06:36: Momente, in denen du wirklich einfach nur  Eltern sein darfst – da sein, zuhören, kuscheln,  

00:06:41: begleiten – ohne gleichzeitig diese ganze  To‑do-Liste im Hinterkopf mitlaufen zu haben.

00:06:47: Der Satz „Ich möchte einfach nur Eltern  sein und nicht noch was anderes“ trifft  

00:06:51: diese Sehnsucht ziemlich gut. Gemeint ist  nicht, dass du keine anderen Rollen mehr  

00:06:55: haben sollst, sondern dass Elternsein  sich wieder mehr nach einem wichtigen,  

00:06:57: geschützten Bereich in deinem Leben  anfühlt – und nicht wie etwas,  

00:07:01: das du noch irgendwie zusätzlich in einen  ohnehin übervollen Alltag quetschen musst.

00:07:05: Mir geht es dabei nicht darum, in  alte Rollenmuster zurückzufallen,  

00:07:08: in denen eine Person – meist die Frau –  selbstverständlich zu Hause bleibt und  

00:07:12: ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellt,  sondern es geht mir darum, dass Eltern,  

00:07:17: Mütter und Väter möglichst frei wählen  können, wie sie Familie leben wollen und  

00:07:21: dass diese Entscheidung wirklich zu ihnen,  ihren Kindern und ihrer Situation passen  

00:07:25: darf – dass sie eben einfach Eltern sein dürfen.  Problematisch wird das an den Stellen, an denen  

00:07:31: äußere Umstände uns faktisch zu Entscheidungen  drängen, die sich nicht wirklich frei anfühlen.

00:07:36: Und genau da kommen die Rahmenbedingungen ins  Spiel, unter denen wir heute Eltern sind. Die  

00:07:40: Elternrolle hat sich ja in den letzten Jahren  stark verändert. Von Eltern wird heute erwartet,  

00:07:45: dass sie emotionale Sicherheit geben, den  Alltag organisieren, Bildungswege im Blick  

00:07:49: behalten und ihre Kinder in ihrer Entwicklung  begleiten – also viel mehr als nur zu versorgen.  

00:07:55: Sie sollen Gefühle koregulieren, die  eigenen Emotionen gut im Griff haben,  

00:07:59: bindungs- und bedürfnisorientiert handeln  und dabei trotzdem im Beruf funktionieren.

00:08:04: Und daraus entsteht dann schnell eine Art  inoffizielle Jobbeschreibung für „gute Eltern“:  

00:08:09: konsequent sein, aber nicht autoritär;  bedürfnisorientiert, aber nicht „zu weich“;  

00:08:13: klare Grenzen setzen und gleichzeitig  freundlich und auf Augenhöhe bleiben;  

00:08:17: möglichst immer informiert, geduldig  und gelassen reagieren. Und oben drauf  

00:08:22: kommen dann noch unsere eigenen inneren  Erwartungen: der Wunsch, es besser zu  

00:08:26: machen als die eigene Herkunftsfamilie, die  Angst, durch Fehler dem Kind zu schaden,  

00:08:31: und die Bilder in unseren Köpfen davon, wie eine  „gute Mutter“ oder ein „guter Vater“ zu sein hat.

00:08:36: Und all das passiert in Strukturen,  die dafür oft gar nicht gemacht sind.  

00:08:40: Auf der strukturellen Ebene heißt das zum  Beispiel: Es gibt zu wenig Betreuungsplätze  

00:08:44: oder die Öffnungszeiten passen nicht zu den  üblichen Arbeitszeiten. Manchmal stimmt auch  

00:08:48: die Qualität nicht mit dem überein, was  wir uns für unsere Kinder wünschen. Und  

00:08:52: gleichzeitig gibt es einen hohen politischen  und gesellschaftlichen Druck in Richtung  

00:08:56: Erwerbsarbeit – am besten beide in Vollzeit,  möglichst flexibel und jederzeit verfügbar.

00:09:01: Das führt dann in Familien zu ganz typischen  Dilemmasituationen: Der Kindergartenplatz  

00:09:05: ist vielleicht nicht der, den du dir erträumt  hast, aber es gibt schlicht keine Alternative.  

00:09:09: Oder du steigst früher wieder in den Beruf  ein oder arbeitest mehr Stunden, als es sich  

00:09:13: für dich oder dein Kind gut anfühlt, weil es  finanziell oder beruflich kaum anders geht.  

00:09:18: Viele Väter, aber auch Mütter, würden gern  mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen,  

00:09:22: kommen aber kaum von der Arbeit weg und haben  das Gefühl, ständig irgendwo zu kurz zu kommen.

00:09:27: Aber wir möchten gute Eltern sein – und das  ist nicht immer einfach, wenn diese hohen  

00:09:31: Erwartungen auf Rahmenbedingungen treffen,  die damit oft überhaupt nicht zusammenpassen:  

00:09:35: bei Betreuung, Arbeitszeiten oder auch  unserer eigenen Belastungsgrenze. Dann  

00:09:39: treffen wir Entscheidungen, die sich nicht  immer nach „bestem Wohl für unser Kind oder  

00:09:43: die Familie“ anfühlen, obwohl genau das  eigentlich unser allergrößter Wunsch ist.

00:09:48: Und mittendrin in diesem ganzen  Spannungsfeld aus Rollen, Erwartungen  

00:09:52: und schwierigen Rahmenbedingungen prasseln  dann noch unzählige Erziehungsrichtungen,  

00:09:55: Meinungen und Ratgeber auf uns ein. Viele Eltern  fühlen sich ungenügend, weil sie das Gefühl haben,  

00:10:01: die Anforderungen gar nicht erfüllen zu  können, sie falsch zu verstehen oder sich  

00:10:04: selbst dabei aus dem Blick zu verlieren. Viele  Eltern denken fast, sie müssten schon halbe  

00:10:09: Pädagog:innen sein oder gefühlt Pädagogik  studiert haben, um gute Eltern zu sein.

00:10:14: Sie lesen Ratgeber, hören Podcasts, informieren  sich – was grundsätzlich wertvoll ist,  

00:10:18: aber schnell kippen kann in „Ich darf  keinen Fehler machen, ich muss alles wissen,  

00:10:22: sonst könnte ich irgendwas Wichtiges  für mein Kind verpassen.“ Dabei müsst  

00:10:26: ihr keine Expert:in für alles rund ums  Kind sein. Ihr müsst nicht jede Methode,  

00:10:30: jedes Konzept und jede Empfehlung aus der  Erziehungswelt parat haben. Ihr dürft vor  

00:10:35: allem Expert:innen für euch, eure Familie  und euer Kind werden. Das reicht völlig aus.

00:10:42: Ein paar Basics sind dann aber schon hilfreich,  

00:10:44: zum Beispiel ein Grundverständnis für  die kindliche Entwicklung oder zu wissen,  

00:10:47: was entwicklungstypisches Verhalten ist –  einfach um euer Kind besser zu verstehen – oder  

00:10:52: auch ein paar Ideen im Werkzeugkoffer  zu haben für schwierige Situationen,  

00:10:56: damit ihr einfach kreativer sein könnt. Das  kann dann den Alltag deutlich erleichtern.

00:11:02: Wichtig ist übrigens in dem Zusammenhang  auch der Unterschied zu Fachkräften:  

00:11:06: Pädagog:innen in Kitas und Schulen haben  den Bildungs- und Betreuungsauftrag für  

00:11:10: eine Gruppe mit vielen Kindern und nur für  einen begrenzten Zeitraum im Leben dieser  

00:11:13: Kinder. Es sind nicht ihre eigenen  Kinder und sie wissen von Anfang an,  

00:11:17: diese Kinder werden sie nach einer  bestimmten Zeit wieder verlassen.

00:11:20: Aber eure Aufgabe ist ja eine ganz andere. Ihr  sollt keine perfekten Fachkräfte ersetzen, sondern  

00:11:25: Eltern sein. Ihr begleitet euer Kind über viele  Jahre durch sehr unterschiedliche Lebensphasen –  

00:11:30: von ganz klein bis hin zum Erwachsenwerden. Auch  wenn Kinder irgendwann mehr Abstand brauchen und  

00:11:35: ihr sie Schritt für Schritt loslasst: Ihr bleibt  ihre Eltern, und diese Beziehung darf im Idealfall  

00:11:39: ein Leben lang tragen. Nur die Form verändert sich  – und genau das kann keine Einrichtung leisten.

00:11:46: Pädagogische Fachkräfte können  unglaublich viel Gutes tun:  

00:11:49: Sie geben Kindern Impulse, Bildung, Anregung,  Struktur. Aber ihr gebt etwas anderes:  

00:11:55: den gelebten Familienalltag, eure Werte,  euer „So geht miteinander bei uns“,  

00:12:00: das Mitwachsen durch alle Höhen und Tiefen  – und das kann keine Pädagogik ersetzen.

00:12:06: Wenn ich also sage „Einfach Eltern sein“, dann  meine ich: Lass uns ehrlich anschauen, warum es  

00:12:11: so schwer ist – und trotzdem Wege suchen, wie es  sich für dich ein Stück stimmiger anfühlen kann.  

00:12:17: Für mich steckt darin auch eine Entlastung.  Wir Eltern überschätzen oft, wie viel wir  

00:12:21: an der Entwicklung und am späteren Erfolg  unserer Kinder aktiv steuern können. Die  

00:12:25: Entwicklungsforschung zeigt ziemlich klar,  dass Kinder eigenständige Persönlichkeiten  

00:12:29: sind und dass ihre Entwicklung von vielen  Faktoren geprägt wird – von ihren Anlagen,  

00:12:33: von der Gesellschaft, von ihrer  Umwelt, den Freunden, die sie haben,  

00:12:37: einfach von Zufällen im Leben – also  nicht nur von dem, was wir als Eltern tun.

00:12:43: Das heißt nicht, dass wir egal sind – im  Gegenteil. Unsere Beziehung, unsere Werte,  

00:12:47: unsere Verlässlichkeit sind wichtig, aber  wir müssen nicht jedes Detail ihres Lebens  

00:12:52: managen und optimieren. Und genau das  kann entlastend sein. Wir dürfen es mit  

00:12:57: der Förderung etwas gelassener nehmen  – weniger Projektmanager:in „Wird das  

00:13:01: perfekte Kind“ sein und mehr echte Beziehung  leben. Passend zu „Einfach Eltern sein“.

00:13:08: Aber bei all dem, was wir als  Eltern leisten und stemmen sollen,  

00:13:11: bleibt für mich eine ganz entscheidende Frage:  Wer bin ich eigentlich mittendrin – als Mama,  

00:13:16: als Papa, als Mensch? Und damit sind wir  beim Wort „Sein“ in „Einfach Eltern sein“.  

00:13:22: Sehr gefällt mir da der Satz: „Wenn ein Kind  geboren wird, werden auch Eltern geboren.“

00:13:26: Direkt nach der Geburt passiert so viel auf  einmal: Hormone, Schlafmangel, dieses kleine  

00:13:30: Wesen, das komplett von uns abhängig ist, die  Verantwortung. Da fühlt sich das eigene Leben  

00:13:35: oft von einer Sekunde auf die andere ganz anders  an als vorher. Mir ging es da nicht anders als den  

00:13:41: meisten anderen. Ich habe sehr deutlich gespürt,  dass ich nicht mehr dieselbe war wie vorher.

00:13:45: Und das ist nicht nur ein Gefühl. Wir  wissen heute, dass sich im Gehirn von  

00:13:49: Eltern tatsächlich Strukturen verändern, die  mit Bindung, Empathie und Aufmerksamkeit zu  

00:13:53: tun haben. Elternschaft ist also nicht  nur Organisation, sondern wirklich ein  

00:13:57: innerer Umbauprozess. Und dieser Umbau  hört ja nicht nach dem Wochenbett auf.  

00:14:02: Mit jeder neuen Phase des Kindes – Babyzeit,  Kita, Trotz, Schule, Pubertät, da gibt’s ja  

00:14:07: so viel – werden auch wir innerlich wieder  durchgeschüttelt. Es kommen neue Erwartungen,  

00:14:11: neue Alltagsrealitäten, neue Themen. Also nicht  nur Kinder wachsen – wir Eltern wachsen mit.

00:14:18: Mit meinen Stiefkindern hat sich mein Alltag schon  sehr verändert und ich habe gemerkt, wie sehr  

00:14:21: Kinder einen prägen können. Aber mein Baby hat  meinen Blick auf Elternsein noch einmal komplett  

00:14:26: auf den Kopf gestellt. Plötzlich haben viele  Dinge, die vorher gut funktioniert haben, so nicht  

00:14:30: mehr gepasst. Ich musste andere Wege finden, meine  Werte überprüfen und manches neu entscheiden.

00:14:35: Und heute mache ich mit meinem  jüngsten Kind manches anders als  

00:14:38: früher mit den älteren Kindern. Nicht,  weil es damals grundlegend falsch war,  

00:14:42: sondern weil ich inzwischen mehr weiß und mich  weiterentwickelt habe. Und Kinder konfrontieren  

00:14:46: uns ja nicht nur mit neuen To‑dos, sondern auch  mit unserem Inneren. Sie berühren alte Sätze,  

00:14:51: alte Muster und Schutzstrategien – und manchmal  so treffsicher, dass wir selbst überrascht sind.

00:14:56: Viele Eltern kennen das: Man rutscht in  einer Millisekunde in eine Wut hinein,  

00:15:00: obwohl man genau weiß, dass Schreien oder hartes  Werten eigentlich nicht das Ziel ist. Und selbst  

00:15:04: wenn man spürt „Achtung, da kommt gleich  was“, lässt sich das einfach nicht stoppen,  

00:15:08: weil das alte Nervensystem oft  schneller ist als die neue Haltung.

00:15:12: Mir ist wichtig zu sagen: Wut  an sich ist nicht das Problem.  

00:15:15: Wut zeigt oft eine Grenze, ein inneres „Stopp,  

00:15:17: so nicht“, und sie darf da sein. Schwierig  wird es aber erst, wenn Wut in Aggression,  

00:15:23: Beschämung oder Gewalt kippt. Und das ist dann  der Teil, den viele von uns nie anders gelernt  

00:15:28: haben und den wir jetzt plötzlich anders machen  sollen und wirklich sehr schwer umlernen müssen.

00:15:33: Aber den ersten Schritt haben ja viele von uns  schon gemacht – und das ist überhaupt zu merken:  

00:15:39: „Ah, da ist Wut, da ist ein Trigger.“ Und der  zweite Schritt ist dann einfach Übung: sich nach  

00:15:45: und nach einen mini‑kleinen Moment zwischen Gefühl  und Handlung erarbeiten – tief atmen, kurz den  

00:15:50: Raum verlassen, in einen inneren Satz wechseln.  Bildlich gesprochen: Manchmal stehen wir innerlich  

00:15:56: als Dreijährige vor unserem Dreijährigen,  mit all unseren eigenen alten Gefühlen.

00:16:01: Das erklärt, warum wir so heftig reagieren, macht  uns aber nicht zu schlechten Eltern. Es zeigt nur,  

00:16:06: dass wir Menschen sind, wo noch Heilung  und Lernen stattfinden darf. Und vieles  

00:16:10: aus unserer eigenen Kindheit  verstehen wir erst dann richtig,  

00:16:13: wenn wir selbst Eltern sind – aber auch  nur, wenn wir bereit sind hinzuschauen  

00:16:16: oder vielleicht sogar nachzufragen, wie es  damals eigentlich für unsere Eltern war.

00:16:21: Und dann gibt’s da noch diese inneren  Glaubenssätze über uns selbst, die oft  

00:16:24: so im Hintergrund mitlaufen. So Sätze wie „Ich bin  nicht gut genug“, „Ich darf keine Fehler machen“  

00:16:29: oder „Ich möchte nicht zur Last fallen“. Die sind  oft schneller da, als wir denken können und färben  

00:16:34: dann total, wie wir Situationen mit unseren  Kindern erleben oder auch mit anderen Menschen  

00:16:38: – und auch, wie schnell wir uns als Eltern  schuldig oder komplett überfordert fühlen können.

00:16:43: Dazu kommen noch Glaubenssätze über Elternschaft  und Kinder, die eher unsere Haltung prägen:  

00:16:47: Sätze wie „Gute Eltern haben alles im Griff und  bleiben immer gelassen, werden nie wütend“ oder  

00:16:53: „Kinder müssen früh lernen, wo es langgeht, sonst  tanzen sie uns später auf der Nase rum“ oder „Ich  

00:16:57: weiß, was gut für dich ist, du wirst es mir  später danken“. Auf den ersten Blick klingen  

00:17:01: die vielleicht logisch, aber ganz ehrlich, sie  geraten ziemlich schnell in Spannung zu einer  

00:17:06: Haltung von Gleichwürdigkeit und echter  Mitbestimmung, die mir ja so wichtig ist.

00:17:10: Ich merke bei mir zum Beispiel, wie alte Sätze  wie „Wenn die Erwachsenen reden, müssen die Kinder  

00:17:14: ruhig sein“ immer noch nachklingen. Heute ist  mir super wichtig, dass Kinder gesehen und gehört  

00:17:19: werden und mitreden dürfen – das ist für mich ein  echter Grundwert, wie ihr vielleicht schon gemerkt  

00:17:23: habt. Gleichzeitig frage ich mich aber immer  wieder: Geht es mir gerade wirklich um Augenhöhe?

00:17:28: Und irgendwo dazwischen – zwischen alten  Mustern und heutigem Ideal – finden wir  

00:17:33: im Alltag unser eigenes stimmiges  Maß. Und an der Stelle kommt für  

00:17:36: mich die Frage nach unseren Werten noch  mal richtig ins Spiel. Im Alltag fragen  

00:17:40: wir ja schnell „Was ist richtig?“ – und  zack sind wir wieder in alten Antworten,  

00:17:44: in Sätzen aus unserer Kindheit, in Stimmen  von außen, in Bildern von perfekten Eltern.

00:17:49: Ich finde es für mich viel hilfreicher, mich zu  fragen: Was fühlt sich für mich stimmig an? Welche  

00:17:55: Haltung passt zu mir, zu meinem Kind, zu unserem  Alltag? Und welche Sätze gehören eigentlich gar  

00:17:59: nicht zu mir und dürfen gehen? Werte sind für mich  so etwas wie ein innerer Kompass: Wie wollen wir  

00:18:04: miteinander umgehen – mit unseren Kindern, aber  auch mit uns selbst? Respekt, Gleichwürdigkeit,  

00:18:10: Klarheit, Mitbestimmung, Authentizität – das sind  Begriffe, die du aus diesem Podcast schon kennst.

00:18:17: „Einfach Eltern sein“ heißt für mich also  in diesem „Sein“-Teil vor allem: Du darfst  

00:18:21: ein Elternteil sein, das noch lernt und nicht  alles durchgeplant hat. Du darfst Fehler machen,  

00:18:26: Dinge bereuen, dich entschuldigen und es morgen  anders versuchen, ohne dass deine Liebe zu deinem  

00:18:31: Kind oder dein Wert als Mutter oder Vater dadurch  weniger wird. „Sein“ bedeutet, mit deinen Kindern  

00:18:37: auf dem Weg zu sein, statt eine perfekte Rolle  zu spielen – mit deinem echten Temperament,  

00:18:42: deinen Grenzen, deinem Humor und deinem  Tempo und allem anderen, was dich ausmacht.

00:18:48: Und „gut genug statt perfekt“ ist hier kein  Trostpflaster, sondern eine sehr realistische,  

00:18:53: liebevolle Haltung dir selbst und deinem Kind  gegenüber. Wenn es im Alltag schwierig wird,  

00:18:58: wenn alte Sätze anspringen, Erwartungen von  außen laut werden oder die Wut im Nacken sitzt,  

00:19:03: hilft mir ein kleiner innerer Kompass. Ich  komme immer wieder zu drei Fragen zurück:  

00:19:08: Was braucht mein Kind gerade wirklich – oder  generell mein Gegenüber? Was brauche ich gerade?  

00:19:15: Und was ist für uns beide in dieser Situation  stimmig – und was ist nur äußerer Erwartungsdruck?

00:19:21: Diese Fragen holen mich dann raus aus „Was würde  eine perfekte Mutter, ein perfekter Vater jetzt  

00:19:25: tun – also was ist richtig?“ und zurück zu  „Was passt für uns – mit unseren Ressourcen,  

00:19:30: unseren Kindern und unserem Alltag?“ Und genau  da liegt für mich das „Sein“ in „Einfach Eltern  

00:19:36: sein“: mitten in all den Rollen, Aufgaben und  Gefühlen als Mensch sichtbar zu bleiben – mit  

00:19:41: deinen Werten, deinen Grenzen und deinem  Wunsch, mit deinen Kindern mitzuwachsen.

00:19:47: Damit sind wir am Ende dieser Folge angekommen und  ich hoffe, meine Vorstellung von „Einfach Eltern  

00:19:51: sein“ ist für dich ein Stück greifbarer geworden.  Wenn ich auf den Namen „Just Melly – Einfach  

00:19:55: Eltern sein“ schaue, dann steht für mich „Einfach“  für gut genug statt perfekt und für die Sehnsucht  

00:20:01: nach mehr Leichtigkeit im Alltag, „Eltern“ für die  vielen Rollen, Erwartungen und Rahmenbedingungen,  

00:20:05: in denen wir uns bewegen, und „Sein“ dafür,  wie wir mitten in all dem als Menschen  

00:20:10: sichtbar bleiben – mit unseren Werten, Grenzen und  unserem Wunsch, mit unseren Kindern mitzuwachsen.

00:20:17: Und auch wenn der Podcast „Einfach Eltern sein“  heißt und sich an dich als Elternteil richtet,  

00:20:21: im Kern geht es mir immer darum,  dass wir die Welt für Kinder Stück  

00:20:25: für Stück kinderwürdiger machen.  Denn wenn wir einfach Eltern sind,  

00:20:28: können unsere Kinder einfach Kinder sein  – einfach sie selbst, mit ihren Gefühlen,  

00:20:33: ihrer Persönlichkeit und ihrem Tempo und später  als Erwachsene ihren eigenen guten Weg gehen.

00:20:39: Und was nehmen wir nun aus dieser Folge mit? Zum  einen: Du musst keine perfekte Rolle ausfüllen,  

00:20:45: um gute Eltern zu sein. Du darfst du selbst  sein – mit deinen Werten, deiner Geschichte  

00:20:50: und deinen Grenzen – und dich Schritt für  Schritt ins Elternsein hineinentwickeln.  

00:20:54: Du musst dafür auch keine perfekte Fachperson  sein oder Pädagogik studiert haben.

00:20:59: Wichtiger ist, dass du bereit bist hinzuschauen,  dazuzulernen und Expert:in für dich, dein Kind  

00:21:05: und eure Familie zu werden – und dabei ein  Mensch zu bleiben, der Gefühle hat, auch Wut,  

00:21:11: und nach und nach lernt, damit umzugehen, ohne  sich oder sein Kind abzuwerten. Zum anderen:  

00:21:17: „Einfach Eltern sein“ heißt nicht, dass es  sich immer leicht anfühlt. Es heißt eher,  

00:21:22: immer wieder zu schauen, was wirklich  wichtig ist, was zu euch passt und wo  

00:21:26: du Ballast loslassen darfst, der nur  Druck macht, aber niemandem hilft.

00:21:30: Du trägst Verantwortung für dein Kind, aber  du musst dein ganzes Leben nicht durchplanen.  

00:21:34: Vieles in der Entwicklung liegt außerhalb deiner  Kontrolle – und das ist okay. Dein Job ist nicht,  

00:21:39: Projektmanager:in eines perfekten  Kindes zu sein, sondern eine vertraute,  

00:21:43: verlässliche, verständnisvolle und liebevolle  Bezugsperson – eben Einfach Eltern sein.

00:21:51: Danke fürs Zuhören und denk dran: „Einfach  Eltern sein“ heißt, zu dir zu stehen,  

00:21:56: damit du dein Kind auf eure Weise begleiten  kannst und es einfach es selbst sein darf.  

00:22:02: Gefällt dir mein Podcast und du möchtest keine  Folge mehr verpassen? Dann freue ich mich,  

00:22:06: wenn du Just Melly abonnierst und mir einen  Daumen hoch gibst. Danke für deine Unterstützung.

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