Die Geschichte hinter ‚Just Melly – Einfach Eltern sein‘
Shownotes
In dieser Folge erzähle ich dir, wie ‚Just Melly – Einfach Eltern sein‘ entstanden ist. Ich nehme dich ein Stück mit in meinen Weg als Stiefmama und Mama und darin, wie sich meine Sicht auf Elternsein mit der Zeit verändert hat.
Es geht darum, warum ich diesen Podcast gestartet habe, welche Fragen und Zweifel mich unterwegs begleitet haben – und warum ich heute lieber auf Haltung und ‚gut genug‘ setze als auf Perfektion. Wenn du Lust hast auf eine persönliche, ehrliche Einblick-Folge statt auf fertige Tipps, dann ist diese Episode für dich.
KAPITEL: 00:00:00 Intro 00:00:17 Begrüßung 00:01:03 Wer ich bin als Mama & Stiefmama 00:05:07 Vom intuitiven Erziehen zum bewussten Elternsein 00:08:10 Wie sich meine Haltung zur Elternschaft verändert hat 00:09:31 Warum ich diesen Podcast gestartet habe 00:15:29 Was nehmen wir aus dieser Folge mit? 00:16:28 Outro
Hier findest du mehr von ‚Just Melly – Einfach Eltern sein‘:
- https://www.youtube.com/@JustMelly-Eltern
- Und überall wo es Podcasts gibt.
Transkript anzeigen
00:00:00: Willkommen bei Just Melly – Einfach Eltern sein. Ich bin Melly, Stiefmama und Mama und möchte
00:00:05: Kinder respektvoll, liebevoll und ehrlich auf Augenhöhe begleiten – ohne mich dabei
00:00:09: zu verlieren. Elternsein bedeutet für mich, ein stimmiges Maß zu finden – mit einer reflektierten
00:00:13: Haltung statt nur Methoden und der Bereitschaft, gemeinsam mit unseren Kindern zu wachsen.
00:00:18: Vielen Dank, dass du eingeschaltet hast zur zweiten Folge von Just Melly – Einfach
00:00:21: Eltern sein. Heute möchte ich meinen Podcast noch etwas näher vorstellen.
00:00:26: Vielleicht hörst du heute das erste Mal rein – dann freue ich mich sehr, dass du da bist.
00:00:31: Und wenn du nach der ersten Folge wieder eingeschaltet hast, danke, dass du dir
00:00:35: erneut Zeit für mich und diesen Podcast nimmst. Falls du sie noch nicht gehört hast: In der ersten
00:00:40: Folge gebe ich dir schon einen ersten Einblick in meine Haltung zum Elternsein – vielleicht magst du
00:00:45: da später noch reinhören. Da ging es darum, warum gute Vorsätze rund ums Elternsein manchmal mehr
00:00:50: Druck machen, als dass sie uns wirklich helfen. Und heute möchte ich dir nun noch ein bisschen
00:00:55: mehr über mich, meinen Weg als Mama und Stiefmama und die Entstehung dieses Podcasts
00:00:59: erzählen – also darüber, wie „Just Melly – Einfach Eltern sein“ überhaupt entstanden ist.
00:01:03: Ich bin Melly, Stiefmama von zwei fast erwachsenen Töchtern und inzwischen auch selbst Mama.
00:01:09: Mein Herzensthema ist, Kinder respektvoll, liebevoll und ehrlich auf Augenhöhe zu begleiten
00:01:14: – und dabei nicht zu vergessen, dass ich selbst auch ein Mensch mit eigenen Bedürfnissen bin.
00:01:21: Elternsein heißt für mich, immer wieder neu auszubalancieren: Wie können wir Verbundenheit
00:01:26: leben und zugleich unsere Grenzen wahren? Wie finden die Bedürfnisse der Kinder ihren
00:01:31: Platz – und gleichzeitig auch meine? Und wie organisieren wir unseren vollen Alltag,
00:01:38: ohne die Beziehung zueinander aus den Augen zu verlieren? Für mich gehört dazu, gut genug statt
00:01:44: perfekt zu sein – weil das Leben chaotisch ist und wir nun mal Menschen sind, keine Maschinen.
00:01:51: Ich schaue gern hin und frage nach dem „Warum“ hinter dem Verhalten und glaube fest daran,
00:01:56: dass Kinder kompetente Menschen sind, von denen wir unglaublich viel lernen können.
00:02:01: Ich sehe Elternschaft als langen Weg, auf dem wir uns immer wieder neu sortieren,
00:02:05: dazulernen und auch unsere Fehler mit in den Lernprozess einladen dürfen.
00:02:10: Mir ist wichtig, Kinder als gleichwertige Menschen zu behandeln, deren Gefühle,
00:02:13: Grenzen und Bedürfnisse ernst genommen werden und die mitreden
00:02:16: dürfen – natürlich innerhalb eines sicheren Rahmens durch uns Erwachsene.
00:02:21: Schon bevor ich Kinder bekommen habe, hatte ich – wie viele von uns – ein Bild im Kopf,
00:02:25: wie ich einmal erziehen möchte: demokratisch, auf Augenhöhe und mit Respekt. Diese Grundhaltung war
00:02:33: für mich immer unverrückbar. Als dann meine Stiefkinder in mein Leben kamen,
00:02:37: habe ich aber gemerkt, dass nicht alles so einfach eins zu eins umsetzbar ist, wie ich
00:02:41: mir das vorher im Kopf überlegt hatte. Viele Werte und Regeln waren durch die Vorgeschichte
00:02:45: der Kinder schon da, und ich habe mich ein Stück weit daran orientiert, damit es für sie
00:02:50: stimmig bleibt – und gleichzeitig versucht, meine unverrückbaren Grundwerte trotzdem einzubringen.
00:02:56: Rückblickend merke ich, dass damals vieles noch eher intuitiv lief und ich gar nicht
00:03:00: so tief reflektiert habe. Vieles hat „irgendwie“ funktioniert, ohne dass ich genau wusste, warum.
00:03:06: Was ich aber bis heute sehr wertvoll finde – und was ich jeder Familie empfehlen würde –, ist,
00:03:11: dass wir uns damals erst als Eltern und danach mit den Kindern zusammengesetzt
00:03:14: und aufgeschrieben haben, welche Werte uns wichtig sind und wie wir miteinander
00:03:18: umgehen wollen. Daraus ist so etwas wie ein kleiner Wertekanon entstanden,
00:03:24: der für alle sichtbar war und an den wir uns im Alltag erinnern konnten.
00:03:28: Später, als die Kinder älter wurden, habe ich diesen Kanon immer wieder angepasst
00:03:32: und irgendwann ein Bild daraus gemacht, das heute noch im Wohnzimmer hängt. Heute
00:03:37: würde ich manche Prioritäten anders setzen und ein paar Punkte sogar infrage stellen,
00:03:41: weil mir klarer ist, welche Glaubenssätze aus unserer eigenen Kindheit da mit hineingeflossen
00:03:45: sind. Glaubenssätze sind so innere Sätze wie zum Beispiel der Klassiker „Erst die Arbeit,
00:03:49: dann das Vergnügen“, die wir einfach übernehmen,
00:03:51: ohne sie wirklich zu hinterfragen – und die ich heute nicht mehr so schlicht unterschreiben würde.
00:03:58: Was mich damals schon umgehauen hat, war, wie sehr die Kinder mich verändert haben – und wie
00:04:03: viel wir von ihnen lernen und daran wachsen können, wenn wir wirklich zuhören. Ich fand
00:04:07: es damals schon als Bereicherung, quasi „Melly Plus“. Ich habe erlebt,
00:04:14: dass Kinder oft sehr klare Vorstellungen davon haben, was sie brauchen und was sich
00:04:17: für sie stimmig anfühlt, sobald sie sich sicher genug fühlen, das auszusprechen.
00:04:24: Die Kinder hatten deshalb bei vielen Entscheidungen eine starke Stimme und
00:04:28: auch ein Vetorecht. Wir Erwachsenen haben ihre Einwände ernst genommen und dann abgewogen,
00:04:33: was sinnvoll und umsetzbar ist. Natürlich gibt es Situationen, in denen Kinder je nach Alter
00:04:38: noch nicht alles überblicken können – und dann bleibt die letzte Verantwortung bei
00:04:42: uns Erwachsenen. Das haben wir natürlich auch so gemacht. Vieles haben wir aber demokratisch
00:04:46: entschieden, sodass alle mitreden konnten. Und wenn wir uns gar nicht einigen konnten,
00:04:51: durfte auch mal das Los helfen – zum Beispiel bei Filmen oder Spielen. Uns war wichtig,
00:04:56: dass sich niemand dem Zufall ausgeliefert fühlt und die Kinder erleben: Meine Meinung zählt hier,
00:05:02: und Entscheidungen werden nicht einfach über meinen Kopf hinweg getroffen.
00:05:07: Das waren jetzt ein paar Beispiele, was ich so als Stiefmama gemacht habe.
00:05:12: Und im Großen und Ganzen hatte ich das Gefühl, wir machen das super und haben das im Griff.
00:05:17: Damals lief das intuitiv. Ich habe gar nicht so viel gelesen – beziehungsweise
00:05:22: war das schon länger her, dass ich da was gelesen habe und mich informiert habe.
00:05:27: Deshalb war mir zwar klar, dass es anstrengend wird,
00:05:30: als ich schwanger war und dass es viele Veränderungen geben wird,
00:05:34: aber ich war mir sicher, dass wir das schaffen werden. Dass wir die richtige Einstellung haben.
00:05:39: Über Babys und Kleinkinder wusste ich nicht so viel, da habe ich mich dann schon noch informiert.
00:05:45: Und auch viel dazugelernt, was mir später sehr geholfen hat und quasi den Grundstein gelegt hat
00:05:50: – zuvorderst die Frühsignale des Babys, schon lang bevor es überhaupt schreit. Und direkt
00:05:55: nach der Geburt habe ich dann auch noch einen Kurs direkt im Krankenhaus gemacht und die
00:05:59: Hilfe der Schwestern im Handling von Babys war auch echt super. Da habe ich auch viel gelernt.
00:06:06: Und trotzdem war das Mamasein dann völlig anders als erwartet. Mittlerweile weiß ich,
00:06:11: dass es den meisten Eltern so geht – und oft nicht nur beim ersten Kind.
00:06:14: Damals habe ich mich aber erst mal total verloren, überfordert und auch überwältigt
00:06:18: gefühlt. Da war dieses kleine Wesen, das absolut abhängig von mir war, und ich hatte solche Angst,
00:06:23: etwas falsch zu machen. Vielleicht kennst du das auch – dieses Gefühl, dein Baby könnte zerbrechen,
00:06:28: wenn du nur einmal nicht richtig aufpasst. Sie sind so winzig und wirken so verletzlich.
00:06:35: Da haben mir dann aber die Schwestern im Krankenhaus und die Hebamme wirklich sehr
00:06:38: geholfen. Wer hätte gedacht, dass ein sicherer, großflächiger Griff für Babys oft viel angenehmer
00:06:43: ist als dieses übervorsichtige Rumgestupse und -gezupfe, bei dem wir ständig Angst haben,
00:06:48: ihnen wehzutun? Gerade ganz kleine Babys – und erst recht Frühchen – sind durch ihr unreifes
00:06:54: Nervensystem oft noch sehr reizempfindlich. Viele Reize kommen ungefiltert bei ihnen an.
00:06:59: Für sie kann dieses ständige, nervöse Streicheln und Zurechtrücken der Kleidung dann schnell zu
00:07:03: viel werden. Ein ruhiger, klarer und eher großflächiger Körperkontakt gibt ihnen viel
00:07:08: mehr Halt und Sicherheit als dieses fummelige, fahrige Anfassen – das ich auch am Anfang gemacht
00:07:13: habe. Und ganz ehrlich, das macht ja selbst uns Erwachsene wahnsinnig, dieses Rumgefummel.
00:07:19: Ich hatte ständig Angst, etwas falsch zu machen, irgendeinen Fehler,
00:07:22: der dauerhaft Schaden anrichten könnte. Ich hatte ständig Fragen, wusste nicht,
00:07:27: wie das geht oder jenes geht. Und deshalb habe ich dann angefangen,
00:07:31: mich noch mehr zu informieren. Mir wurde klar, wie wenig ich eigentlich wusste.
00:07:36: Begonnen hat es, wie gesagt, eigentlich schon in der Schwangerschaft, aber richtig los ging
00:07:40: es dann mit Baby mit den Themen Stillen und Babypflege. Dann kam Tragen dazu,
00:07:46: dann noch Stoffwindeln und Abhalten – weil mein Kind einfach nicht in die Windeln machen
00:07:52: wollte. Und ich war dann so froh, als ich das Abhalten entdeckt habe. Naja,
00:07:58: und dann stolpert man auch über andere Videos und Podcasts. Und von da war der
00:08:04: Weg zu Erziehungsthemen nicht mehr weit und dann auch generell zu Themen rund um Elternschaft.
00:08:10: Mittlerweile weiß ich, dass Kinder robuster sind,
00:08:12: als wir oft denken – was natürlich nicht heißt, dass alles egal ist, was wir tun.
00:08:16: Aber es ist schon so: Solange wir unsere Kinder nicht dauerhaft überfordern oder verletzen und
00:08:20: bereit sind hinzuschauen, uns zu entschuldigen und Verantwortung zu übernehmen, können sie
00:08:26: vieles später einordnen und heilen – gemeinsam mit den Fähigkeiten, die wir ihnen mitgeben.
00:08:32: Wir werden Fehler machen, und ja, jedes Kind bekommt von seinen Eltern einen Rucksack
00:08:36: mit – so wie wir das auch von unseren Eltern mitbekommen haben. Aber dieser
00:08:40: Rucksack ist nicht für immer festgezurrt. Wenn wir ihnen gleichzeitig genügend Liebe,
00:08:44: Sicherheit und innere Stärke mitgeben, können sie später reflektieren und selbst entscheiden,
00:08:49: was sie aus diesem Rucksack behalten, was sie weitergeben wollen und was sie für sich verändern
00:08:54: oder ablegen möchten. Das ist ihr gutes Recht – und wir müssen heute noch gar nicht wissen,
00:08:59: was davon für ihr späteres Leben hilfreich sein wird und was nicht.
00:09:04: Nach und nach wurde mir auf dieser Reise klar, dass meine anfängliche
00:09:07: Grundhaltung schon sehr wertvoll war – der „Überbau“ hat sich nur verändert,
00:09:11: ist differenzierter, informierter, bewusster geworden. Ich habe mich immer
00:09:16: weiterentwickelt und bin gleichzeitig wieder zu meinem Kern zurückgekommen,
00:09:20: mit ein paar wichtigen Anpassungen. Aber die wird es immer geben, und die sind auch nötig,
00:09:25: weil Leben nun einmal Veränderung bedeutet und auch wir uns deshalb immer weiter verändern.
00:09:31: Und während ich all diese Bücher gelesen, Videos geschaut, Podcasts gehört und an Online-Seminaren
00:09:36: teilgenommen habe, ist in mir nach und nach der Wunsch gewachsen, nicht nur für mich Antworten zu
00:09:41: suchen, sondern meine Erfahrungen und Gedanken mit anderen Eltern zu teilen. Ich wollte nicht
00:09:45: nur verstehen, wie ich meinen eigenen Alltag mit Kindern liebevoller und stimmiger gestalten kann,
00:09:50: sondern auch dazu beitragen, dass die Welt für Kinder Stück für Stück ein bisschen besser wird.
00:09:56: Mir ist in dieser Zeit noch einmal viel klarer geworden, wie sehr Kinder darauf angewiesen sind,
00:10:00: dass Erwachsene ihre Verantwortung ernst nehmen. Kinder brauchen Menschen, die sie schützen,
00:10:04: ihre Gefühle und Grenzen wahrnehmen und sie in Entscheidungen einbeziehen,
00:10:08: wo immer es möglich ist. Und sie brauchen Erwachsene, die bereit sind, ihre eigene Macht
00:10:12: zu reflektieren und hinzuschauen, wenn etwas nicht gut läuft – statt einfach „weiter so“ zu machen.
00:10:19: Gleichzeitig erlebe ich, dass genau das in unserem Alltag oft nicht wirklich gut gelingt.
00:10:24: Viele Strukturen in unserer Gesellschaft sind nicht besonders kinderfreundlich – von der Art,
00:10:28: wie in der Öffentlichkeit über Kinder gesprochen wird, bis hin zu politischen Entscheidungen,
00:10:32: die Familien das Leben eher schwer machen, als sie zu entlasten. Auch in Kitas,
00:10:36: Schulen und im Umgang mit Lernen insgesamt ist noch viel Luft nach oben, wenn wir wirklich
00:10:40: ernst nehmen wollen, was Kinder brauchen, um gesund und selbstbewusst aufzuwachsen.
00:10:45: Für mich ist über die Jahre immer deutlicher geworden: Es geht nicht nur darum,
00:10:48: wie wir als einzelne Eltern mit unseren Kindern umgehen, sondern auch darum,
00:10:52: Missstände zu benennen und darüber zu sprechen. Je häufiger wir darüber reden,
00:10:57: wie ein respektvoller, kindgerechter Umgang aussehen kann – in Familien, in Bildung,
00:11:02: in Politik –, desto mehr kann sich Stück für Stück verändern. Ich wünsche mir,
00:11:08: mit diesem Podcast einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass sich diese Perspektive
00:11:12: weiter verbreitet und irgendwann nicht mehr die Ausnahme, sondern ganz selbstverständlich ist.
00:11:18: Gleichzeitig ist mir immer deutlicher bewusst geworden, wie weitreichend das ist,
00:11:21: was in Familien passiert. Zu Hause wird jeden Tag geübt, wie wir mit Macht, Grenzen,
00:11:26: Mitbestimmung und Vielfalt umgehen. Kinder erleben dort, ob ihre Stimme zählt, ob Konflikte
00:11:31: mit Druck oder mit Dialog gelöst werden, ob Unterschiede abgewertet oder wertschätzend
00:11:35: angeschaut werden. Diese Erfahrungen nehmen sie mit in ihr späteres Leben – in Freundschaften,
00:11:40: in Beziehungen, in die Arbeitswelt und in ihr Bild davon, wie unsere Gesellschaft funktionieren kann.
00:11:48: Wenn wir heute auf manche Machtverhältnisse oder Entscheidungen schauen, sehen wir oft auch die
00:11:52: Spuren von Haltungen, die einmal ganz klein in Familien begonnen haben. Mir ist wichtig,
00:11:56: dass wir unsere Kinder auf eine Zukunft vorbereiten, in der es mehr braucht als
00:11:59: alte Muster und dieses „Das macht man halt so“. Familien tragen dazu enorm viel bei, meist ganz
00:12:07: leise und unspektakulär – einfach, indem sie im Alltag vormachen, wie Miteinander gelingen kann.
00:12:14: In dieser intensiven Zeit habe ich auch noch einmal anders auf meine eigene Rolle als Frau,
00:12:19: Mutter und Partnerin geschaut. Vor der Geburt habe ich unsere Beziehung als ziemlich fair
00:12:24: und gleichberechtigt erlebt. Nach der Geburt hat sich das trotzdem verändert – nicht, weil
00:12:29: wir das so geplant hatten, sondern weil wir, wie so viele Paare, in Rollen hineingerutscht sind.
00:12:35: Plötzlich lag viel mehr von der unsichtbaren Organisationsarbeit, dem Mental Load, bei mir:
00:12:40: Termine im Blick haben, Bedürfnisse aller im Kopf jonglieren, an alles denken,
00:12:44: was das Familienleben irgendwie am Laufen hält.
00:12:47: Also: Mein Mann ist kein Klischee-Mann aus einem negativen Ratgeber, der sich
00:12:51: gar nicht kümmert – wie das manchmal beschrieben wird. Das ist echt übel,
00:12:54: was da manchmal geschrieben wird, mit Männern, die eifersüchtig auf ihre Babys sind und so. Also nee,
00:12:59: da ist er wirklich weit davon entfernt. Der ist wirklich toll. Und trotzdem haben wir gemerkt,
00:13:04: wie stark alte Rollenbilder und Erwartungen an Mütter und Väter auch auf uns eingewirkt haben.
00:13:10: Mir ist wichtig zu sagen: So geht es vielen Paaren nach der Geburt. Man wacht nicht eines Morgens auf
00:13:15: und beschließt: „Ab heute trage ich die ganze Last alleine.“ Es passiert schleichend – durch
00:13:21: Strukturen, durch gesellschaftliche Erwartungen, durch äußere Rahmenbedingungen wie Elterngeld,
00:13:26: Arbeitszeiten, Betreuungsplätze. Und mittendrin stehen dann Eltern,
00:13:31: die eigentlich nur gute Eltern sein wollen und versuchen, es irgendwie allen recht zu machen.
00:13:36: All diese Erfahrungen – meine eigene Unsicherheit, das viele Dazulernen, das Ringen
00:13:40: um Gleichwürdigkeit mit Kindern und um mehr Fairness in der Elternrolle – haben
00:13:44: nun also den Wunsch in mir wachsen lassen, darüber zu sprechen. Und mit der Zeit ist
00:13:50: daraus die Idee entstanden, das Wissen und die Gedanken, die ich mir erarbeitet habe,
00:13:53: weiterzugeben. Ich möchte Eltern dabei unterstützen, ihre Kinder besser zu verstehen,
00:13:59: Zusammenhänge einzuordnen und neue Perspektiven auf ihr eigenes Elternsein zu bekommen. Nicht,
00:14:04: weil ich alle Antworten habe, sondern weil ich glaube, dass Informationen, Beispiele und ehrliche
00:14:09: Einblicke dabei helfen können, das eigene Handeln zu reflektieren und bewusster zu gestalten.
00:14:14: In den Wirren des Alltags und bis ich auch wirklich den Mut dazu gefunden habe,
00:14:18: hat es dann aber noch über zwei Jahre gedauert, bis ich den Podcast wirklich
00:14:22: gestartet habe. Ich habe den Start immer wieder verschoben – weil ich einfach zu erschöpft war,
00:14:27: weil ich an mir gezweifelt habe, aus dem Gefühl heraus,
00:14:30: noch nicht genug zu wissen. Aber ganz ehrlich: Man lernt immer dazu, man weiß nie „genug“.
00:14:36: Heute bin ich froh, dass ich mir die Zeit genommen habe,
00:14:39: weil ich in dieser Phase fachlich und persönlich viel dazugelernt habe und
00:14:42: wirklich gewachsen bin. Und gleichzeitig habe ich aber verstanden: Es wird nie den Moment geben,
00:14:48: in dem alles fertig und perfekt ist. Irgendwann müssen wir einfach losgehen.
00:14:53: Also habe ich jetzt einfach mal den Podcast gestartet und wachse jetzt mit euch gemeinsam
00:14:58: weiter und lerne mit euch gemeinsam weiter. Ich habe immer noch viele Ideen,
00:15:02: aber ich weiß, dass sich manches erst im Tun zeigen wird. Dieser Podcast darf sich
00:15:06: verändern – so wie wir als Eltern uns mit unseren Kindern verändern. Ich weiß heute,
00:15:10: dass er – genau wie ich als Mama und Stiefmama – nicht fertig ist,
00:15:14: sondern Schritt für Schritt wachsen wird. Ich kann noch nicht genau sagen, welche Themen
00:15:17: am Ende im Mittelpunkt stehen werden. Aber ich möchte dich einladen, immer wieder mitzudenken,
00:15:22: mitzuspüren und dir das mitzunehmen, was für dich, dein Kind und eure Situation gerade hilfreich ist.
00:15:30: So, damit sind wir jetzt auch schon fast am Ende der Folge angekommen – und ich
00:15:33: habe heute viel von meinem Weg erzählt: von meinen ersten Vorstellungen als Stiefmama,
00:15:38: von all dem Dazulernen als Mama und davon, wie aus diesem ganzen
00:15:42: Prozess schließlich dieser Podcast entstanden ist.
00:15:46: Was nehmen wir aus dieser Folge mit? Zum einen: Es ist völlig in Ordnung,
00:15:50: wenn Elternsein kein gerader Weg ist, sondern eher ein Hin und Her aus Ausprobieren, Scheitern,
00:15:55: dazulernen und neu sortieren. Deine Haltung und deine Bereitschaft hinzuschauen sind
00:16:00: wichtiger als ein perfekter Plan. Zum anderen: Du musst nicht warten,
00:16:04: bis du „fertig“ bist, um etwas zu verändern – weder in deinem Familienalltag noch bei
00:16:10: Herzensprojekten. Gut genug ist ein Anfang, aus dem etwas wachsen darf.
00:16:16: Vielleicht ist das ein schöner Moment, um kurz auf deinen eigenen Weg als Elternteil zu schauen:
00:16:21: Was hat dich geprägt, was hat sich verändert – und worauf bist du heute schon ein bisschen stolz?
00:16:29: Danke, dass du dir Zeit genommen hast, mir heute zuzuhören.
00:16:32: Einfach Eltern sein heißt für mich, den eigenen Weg nicht perfekt,
00:16:35: aber bewusst zu gehen – im Wissen, dass wir unterwegs immer weiter lernen dürfen.
00:16:40: In der nächsten Folge schauen wir uns dann den Namen dieses Podcasts genauer an und
00:16:44: gehen der Frage nach, was hinter „Just Melly – Einfach Eltern sein“ eigentlich
00:16:47: steckt. Gefällt dir mein Podcast und du möchtest keine Folge mehr verpassen? Dann freue ich mich,
00:16:52: wenn du Just Melly abonnierst und mir einen Daumen hoch gibst. Danke für deine Unterstützung.
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